Zuhause Wein probieren

Weinschwenkender Mann daheim
Es macht großen Spaß Wein zu entdecken! Wer einige Punkte beachtet, kann seine Weinprobe auch selbst organisieren.

Professionelle Weinproben verlaufen manchmal bierernst. Ein Übermaß an staubtrockenen Fakten versauert so manchem Teilnehmer den Genuss. Dabei macht es großen Spaß Wein zu entdecken! Wer einige Punkte beachtet, kann seine Weinprobe auch selbst organisieren.

In einer geselligen Runde mit Freunden ist der Weingenuss am schönsten. Je entspannter die Teilnehmer sind, desto besser das Ergebnis, denn so können alle Eindrücke unvoreingenommen beschrieben und ausgetauscht werden. Falsche Äußerungen gibt es nicht. Jede persönliche Wahrnehmung ist berechtigt. 

Am meisten lernt man über Wein, indem man ihn probiert. Nichts schadet einer Weinprobe mehr, als ein vermeintlicher Fachmann, der schon alles zu wissen glaubt. Wahre Kenner machen sich durch hilfreiche Kenntnis, unerschöpfliche Neugier und Begeisterungsfähigkeit bemerkbar. 

Vier bis acht Teilnehmer sind für eine Weinprobe ideal. Bei vier Personen reicht eine Flasche von jedem Wein, bei acht Personen sollte man schon zwei einkaufen. 

Für die meisten Proben sind sechs verschiedene Weine im Vergleich perfekt – sie überfordern die Sinne nicht, bieten aber einen guten Einblick in das Thema, unter dem die abendliche Verkostung stattfindet. 

Das Thema der Probe

Natürlich ist es nicht sinnvoll irgendwelche Weine wild durcheinander zu verkosten. Angesichts der Vielfalt, die in der Welt des Weines herrscht, würde das eher zur Verwirrung als zum Erkenntnisgewinn beizutragen.

Ein gutes Thema für die erste Probe sind die Rebsorten. Die Frage ist, wie sie zu erkennen und zu unterscheiden sind. Bei dieser Probe haben deutsche Weine einen Heimvorteil, weil die Rebsorten meistens dem Namen nach bereits bekannt sind und häufiger auf dem Etikett stehen, als bei anderen europäischen Weinen. 

Am besten vergleicht man für den Anfang zwei Rebsorten aus dem gleichen Anbaugebiet – etwa einen Riesling und einen Silvaner. In zwei weiteren Runden kann es dann darum gehen, die gefundenen Aromen wiederzuerkennen: Waren da nicht Apfel- und Pfirsichdüfte im Riesling? Und Kräuter- und Birnenaromen im Silvaner? Wie beim Memory spielen versucht man diese Aromen in anderen Weinen der gleichen Rebsorte wieder zu finden. „Rebsortentypizität“ sagen die Fachleute dazu.

Ein ebenso spannendes Thema ist die „Rebsortenvielfalt“. Sie beschreibt den unterschiedlichen Charakter, den eine Rebsorte in verschieden Anbaugebieten entwickelt. Das ist z.B. dann ein lohnendes Experiment, wenn sie weltweit vertreten ist. So kann man mit Cabernet Sauvignon oder Chardonnay um die Welt reisen und dabei die Wechselwirkung zwischen Traube, Klima und Terroir entdecken. Ein Chardonnay aus Frankreich schmeckt eben anders, als einer aus Kalifornien. 

Weinfachverkäufer helfen in der Regel gerne bei der Zusammenstellung der Weine für eine Verkostung – auch für Vorbereitungsie ist dieser Wunsch eine willkommene Abwechslung zum Alltagsgeschäft.

Die Weinprobe vorbereiten

Für das Gelingen einer Weinprobe braucht man außer Weinen, die sich einem bestimmten Thema zuordnen lassen, die passenden Rahmenbedingungen. Der Raum sollte frei von Zigaretten-, Parfüm- und Küchengerüchen sein. 

Das wichtigste Requisit für die gelungene Weinprobe ist eine ausreichende Anzahl an Gläsern. Ideal ist ein Glas pro Wein für jeden Gast. Für die meisten Haushalte ist das jedoch nicht realistisch. Eine gute Lösung für dieses Problem ist es, nach der ersten Hälfte der Flaschen mit dem Verkosten zu pausieren und die Gläser mit Wasser auszuspülen.

Mindestens zwei Weingläser sollten dennoch immer vor dem Gast stehen: Das mit dem aktuellen Wein und das mit dem vorhergehenden. So ist ein direkter Vergleich möglich.
 
Die Form des Glases hat Einfluss auf den Geschmack des Weines. Spezielle Verkostungsgläser sind für alle Weine geeignet und ermöglichen daher ein besonders genaues Urteil. Auf jeden Fall jedoch müssen die Gläser farblos sein, weil sonst die Weinfarbe nicht erkennbar ist. Auch Kristallschliffgläser bleiben zur Weinprobe besser im Schrank. In ihnen kann man die Klarheit und Fließeigenschaften des Weines nicht erfassen.

Weiße Tischdecke, Notizblock und Wasser

Des Weiteren werden eine weiße Tischdecke ohne Muster oder weiße Stoffservietten für die Verkostung benötigt, weil man die Farbe des Weines nur vor einem weißen Hintergrund richtig beurteilen kann. Zu den Standards einer Weinprobe gehören außerdem stilles Wasser und Baguette zum Neutralisieren des Geschmacks.

Um seine persönlichen Eindrücke zu notieren und den anderen genügend Raum für ihre Wahrnehmungen zu lassen, wartet man mit seinen Äußerungen und notiert statt dessen seine Gedanken mit Papier und Stift. Wer möchte, kann als Gastgeber die Zettel für Weinnotizen in Form einer ausgedruckten Tabelle vorbereiten. In dieser sollten die Weine in der Reihenfolge der Verkostung nummeriert werden, um sich schnell, klar und eindeutig mit den anderen Teilnehmern verständigen zu können. Eingießen

Außer dem genannten Baguette gehört kein anderes Essen zur Weinprobe, weil es den Geschmacks- und Geruchssinn von der reinen Konzentration auf die Weine ablenkt. 

Wunderbar ist es jedoch, nach der Probe mit Freunden ein gemeinsames Essen zu genießen – am besten mit den bereits geöffneten Weinen. Das sorgt für weitere Überraschungen, denn die Weine, mit denen man sich eben noch intensiv beschäftigt hat, entwickeln im Zusammenspiel mit Speisen fast immer einen völlig anderen Charakter. 

Beurteilung mit den Augen

„Schmeckt oder schmeckt nicht“, ist das schnelle Urteil manches Laien über einen Wein. Um mehr über Weine zu erfahren, muss man sich beim Prüfen jedoch etwas mehr Zeit lassen. Der erste sinnliche Eindruck, den ein Wein hinterlässt, findet nicht auf der Zunge statt. Die Verkostung beginnt mit der Betrachtung. 

Dazu hält man das Glas schräg vor einen weißen Hintergrund. Im Zentrum des Weines kann man die Farbtiefe erkennen, am Rand die Farbnuancen und die Klarheit. Schwenkt man das Glas hin und her, sieht man die Beweglichkeit und die Viskosität des Weines. Bei gehaltvollen Weinen bilden sich „Tränen“, die an der Innenwand des Glases ablaufen. In England werden sie „Beine“ genannt. Sie lassen auf einen Alkoholgehalt von mindestens 12% schließen.

Wie im Leben, gibt es für den ersten Eindruck keine zweite Chance. Spontan entwickelt der Betrachter schon ein Verhältnis zum Wein, bevor dieser die Lippen erreicht hat. Leuchtet er klar und rein oder ist er trüb und erweckt damit Misstrauen? Egal ob es sich um einen hellen Weißwein oder einen fast schwarzen Rotwein handelt: Das Leuchten des Weines und sein klarer Ausdruck signalisieren Harmonie.

Die Farbe eines Weines verändert sich im Laufe der Zeit. Ein junger Weißwein kann hellgelb mit grünlichen Reflexen sein. Mit dem Alter werden Weißweine immer goldener und dunkler. Reife Weißweine können sogar bernsteinfarben sein.

Korken

Rotweine werden dagegen mit der Reifung heller. Von schwarzrot und violett, entwickeln sie sich über Rubin zu Purpur und schließlich zu Orange und Ziegelrot. Hält man das Glas vor einem hellen Hintergrund schräg, lässt sich das Farbspiel an der Randzone beobachten.

Ebenfalls mit geneigtem Glas beurteilt man die Farbtiefe im Zentrum des eingeschenkten Weines. Sie gibt Auskunft über sein Alter: Rotweine werden mit den Jahren heller, Weißweine dunkler. 

Die Intensität der Farbe lässt auch die Rebsorte erahnen: Ein Syrah ist farbintensiverer als ein Pinot Noir. Auch die Herkunft des Weines macht sich schon bei seinem Anblick bemerkbar: Weine aus wärmeren Regionen haben eine dichtere Färbung als solche aus kühleren Anbaugebieten. 

Ein wunderbares Thema für eine Weinprobe mit Fortgeschrittenen, ist daher eine Blindverkostung, bei der die Etiketten verdeckt werden. Frei nach dem Motto des Ratespiels „Was bin ich?“ müssen die Teilnehmer möglichst viel über den Wein herausfinden, den sie im Glas haben: Um welche Rebsorte es sich handeln könnte oder wo er wohl herkommt…

Der Duft des Weines

GenießerNoch immer ist der Geschmackssinn nicht an der Reihe. Denn als zweiter Schritt folgt in einer Verkostung die Beurteilung des Weines mit der Nase. Viele Weinkenner stufen sogar den Genuss, den der Duft eines guten Weines bereitet, höher ein, als das eigentliche Trinkerlebnis.

Zum Riechen schwenkt man den Wein im Glas. Indem man ihn belüftet, können die flüchtigen Aromastoffe von einer größeren Oberfläche aus aufsteigen. Mit der Nase im Glas tauchen wir in diese Duftwolke ein. Ein großer Moment, in dem man in kürzester Zeit eine Vielzahl von Informationen über den Wein erhält. 

Die subtile Freude, die das komplexe Bukett eines großen Weines auslöst, ist für viele Kenner der Grund sich überhaupt mit Wein zu beschäftigen. Tausende von verschiedenen Gerüchen nehmen wir mit der Nase war. 

Weißweine können blumig, fruchtig, vegetabil oder mineralisch sein. Sie erinnern an Früchte, Gewürze, Nüsse. Sie schmecken süß nach Honig, Butter oder Vanille. Bei der Gärung können Hefearomen entstehen, die an frisch aufgegangen Teig oder Brot denken lassen. 

Ein Rotwein kann blumig wie Veilchen duften oder mediterran nach Rosmarin. Er erinnert erdig an Pilze oder animalisch an Leder. Die Nase nimmt Vanille, Lakritze, Pfeffer oder Schokolade wahr. Tausende von Geruchsnuancen sind möglich. 

Um die häufigsten davon zu trainieren, verwenden Profis sogenannte „Weinaromen-Sets“. In vielen kleinen Fläschchen, die meist in einem Koffer aufbewahrt werden, sind Essenzen der Einzelaromen enthalten. Um sich zu vergewissern, ob man den richtigen Duft in einem Wein erkannt hat, kann man zum Vergleich dann am passenden Fläschchen schnuppern.

Kauen, Schlürfen, Schlucken

Dann ist endlich der Geschmack an der Reihe. Die Zunge allein nimmt zwar nur die Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig und bitter wahr – interessant ist jedoch gerade die Wechselwirkung zwischen Geruch und Geschmack. 

Im Mund wird der Wein erwärmt. Das setzt neue Duftstoffe frei, die über die Mundhöhle und den Rachenraum die Nasenhöhle erreichen. Der erste Schluck sollte also so groß sein, dass er die komplette Mundhöhle benetzt. 

Auf der Zunge schmecken wir Fruchtsüße und Säure. Jeder Wein – auch ein trockener – enthält noch etwas Restsüße. Ganz durchgegorene Weine empfindet man als knochentrocken. 

Ein jeder Wein braucht auch Säure. Sie verleiht ihm Saftigkeit und Kontur. Extrem säurearme Weine können flach und fade wirken. Die Kunst des Winzers besteht eben darin, die perfekte Balance zwischen Süße und Säure für den jeweiligen Wein zu finden.

Um noch mehr wahrzunehmen, können wir den Wein „kauen“. Dabei verteilt er sich über die gesamte Zunge. Auf diese Art fühlen wir seine Konsistenz. Ist sie besonders dicht, spricht man von einem „körperreichen Wein“. Der „Körper“ des Weines kann z.B. weich, glatt, rund, leicht oder vollmundig sein. 

Erst im hintersten Bereich der Zunge schmecken wir die Bitterkeit. Sie klingt nach dem Schlucken am längsten nach. Eine feine Bitternote ist angenehm erfrischend. 

Manchmal wird die Bitternote mit der „Adstringenz“ des Weines verwechselt. Bei letzterer handelt es sich allerdings mehr um ein Mundgefühl, als um ein Geschmacksempfinden. Die Mundhöhle wird zusammengezogen, fühlt sich rau, trocken oder pelzig an. Verursacht wird dieser Effekt vom Tannin, der Gerbsäure des Weines. Tatsächlich gerbt sie die Schleimhäute ein wenig. 

Genießerin

Tannine werden während der Gärung aus den Schalen und Kernen der Trauben gelöst und konservieren Rotweine auf natürliche Weise. Sie ermöglichen es Rotweinen, jahrzehntelang lebendig zu wirken. 
Profis spucken den Wein nach der Verkostung in ein dafür vorbereitetes Gefäß. Bei einer geselligen Weinprobe unter Freunden ist das nicht von Nöten. Nach dem Schlucken oder Spucken klingen die vielfältigen Geschmackseindrücke noch eine Zeit lang im Mund nach. Wie lang dieser Effekt anhält, den man „Abgang“ nennt, ist ein sicheres Qualitätskriterium. Große Weine haben einen langen Abgang.

Simone Hoffmann


 


Das Aromarad

Ein „Aromarad“ ist eine tolle Bereicherung für die selbst organisierte Weinprobe. Es hilft den Teilnehmern dabei, Weinaromen treffender zu beschreiben. Denn die simple Pappschreibe, die es für Weiß- und Rotwein gibt, hat es inhaltlich in sich. 

Auf einem Ring in der Mitte des Rades sind die Begriffe vermerkt, mit deren Hilfe man den Duft zunächst allgemein eingrenzt: Duftet der Rotwein, den man beschreiben möchte, eher fruchtig, blumig, krautig/vegetativ, würzig, karamellisiert, rauchig oder mikrobiologisch? 

Hat man sich entschieden, dass man gerade für die fruchtige Richtung nach Worten sucht, stellt der innere Kreis des Aromarades eine differenziertere Beschreibung zur Wahl. Was für Früchte sind denn gemeint? Beeren-, Stein- oder Zitrusfrüchte, gekochte oder getrocknete Früchte? 

Hat man Beerenfrüchte erkannt, liefert der Außenkreis die Auswahl an typischen Aromen, die auch Laien ermöglicht, sich künftig auf Augenhöhe mit Weinprofis zu unterhalten. Welche Beeren sind gemeint? Duftet der Wein nach Brombeeren, Erdbeeren, schwarzen Johannisbeeren oder vielleicht doch nach Holunder? Natürlich können auch mehrere Antworten zutreffen. Dann kann das Aromarad immer wieder angeworfen werden.

Zu beziehen ist das Aromarad über den Internet-Shop des Deutschen Weininstituts unter: 


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