Wein aus der Provence

junge Frau trinkt Rosé im Lavendelfeld
Den Abend mit einem Glas eisgekühltem Rosé im Freien beschließen - das ist provenzialische Lebensart.

Wenn die Sonne scheint, der Lavendel blüht und die Künstler ihre Staffelei auspacken, ist die Provence ein beliebtes Ferienziel. Die Region ist landwirtschaftlich reich, das Meer ist nah. Daher ist es kein Wunder, dass die regionale Küche so vielfältig ist. Die Südfranzosen gönnen sich zu ihrem köstlichen Essen gern schon zur Mittagszeit ein Glas eisgekühlten Rosé. Denn die Provence gilt als Wiege des französischen Weinbaus.

Für Feinschmecker ist die Provence so etwas wie eine Pilgerstätte. Dafür sorgen der landwirtschaftliche Reichtum, die Viehzucht und Fischerei. Obst und Gemüse gibt es in Hülle und Fülle. Die Region ist bekannt für ihre Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen und die köstlichen Cavaillon-Melonen. Der Zusatz „à la provençale“ bedeutet in ganz Frankreich, dass die Sauce auf Zutaten beruht, wie sie in der Provence frisch angebaut werden. Das sind vor allem Tomaten, Auberginen, Zucchini, Paprika, Oliven und Kräuter.  Die besten Olivenöle stammen aus den Orten am Südrand der Alpilles. Die Kräutervielfalt „les herbes de provence“ kennt wohl jeder passionierte Hobbykoch.

Typische, ländliche Gerichte sind das Gemüsegericht Ratatouille, der Fischtopf Bouillabaisse oder Daube provençale, ein Schmorgericht mit Rindfleisch. In einen echten Salade Niçoise gehören Thunfisch, Ei und Sardellen. Lokale Süßigkeiten sind der weiße Nougat von Montélimar oder kandierte Früchte aus der Stadt Apt.

Geografisch ist die Provence schwer zu fassen. Die Grenzen der riesigen Region „Provence-Alpes-Côte d'Azur“ (PACA)  sind das Rhônedeltal im Westen, die Gipfel der Haut-Alpes im Norden, die italienische Grenze im Osten und die Mittelmeerküste zwischen Nizza und Marseille im Süden.

Fruchtiger Rosé

Die Geschichte des provenzalischen Weinbaus lässt sich rund 2000 Jahre zurückverfolgen, als die Phönizier Marseille gründeten und eine Pflanze in Frankreich neu einführten, die das Schicksal dieses Landes entscheidend prägen würde: die Weinrebe. So war die Provence, wenn sie auch nicht zu den großen Weinbauregionen des Landes zählt, doch die Wiege des französischen Weinbaus. 

Auch die Römer legten in dem landschaftlich reizvollen Gebiet Weinberge an und kelterten Wein. Während des Mittelalters entwickelten die zahlreichen Klöster den Weinbau weiter. Im 18. Jahrhundert kamen die ersten aristokratischen Feriengäste aus Nordeuropa in die Provence. Die Côte d'Azur wurde zum beliebtesten Ziel dieser Entdeckungsreisen.

Auf rund 27.000 Hektar Fläche wird heute in den Departements Var und Bouches-du-Rhône, sowie in kleinerem Ausmaß auch in den Maritimen Alpen Wein angebaut. Hauptsächlich handelt es sich um fruchtige Rosés (87%). Mit acht Prozent der weltweiten Produktionsmenge ist die Provence der größte Erzeuger von Roséweinen. 

Aber es gibt auch kraftvollen, geschmeidigen Rotwein (9 %) mit Potential für lange Lagerzeiten und vollmundigen Weißwein (4 %) aus der Provence. Oft werden die beiden Gebiete Provence und Languedoc-Roussillon von Weinkennern in einem Atemzug genannt und unter dem Begriff „Midi“ zusammengefasst. 

gekühlter Rosé im Freien zwischen Weinreben

Rebsorten-Vielfalt

Picknickkorb im Weinberg

Klassischer Rosé aus der Provence wird als Cuvée gekeltert. Die dabei am häufigsten verwendeten Rebsorten sind Cinsault, Grenache, Mourvedre und Syrah. Daneben gibt es aber auch eine Vielzahl autochthoner Sorten, die die Charaktere der verschiedenen Rosés prägen.

Zu den am häufigsten angebauten roten Rebsorten der Region zählen Syrah, Grenache, Cabernet Sauvignon, Mourvedre, Barbaroux und Cinsault. Châteauneuf-du-Pape im südlichen Rhônetal ist wohl das bekannteste Weingut der Region. Der gleichnamige, langlebige Rotwein ist weltberühmt.   

Weißwein spielt in der Provence eine untergeordnete Rolle, so dass Rebstöcke mit weißen Reben am Wegesrand eine Seltenheit sind. Dem entsprechend klingen die weißen Sorten wie Raritäten: Bourboulenc, Clairette und Ugni-Blanc. Die letztere Rebsorte ist in Italien unter dem Namen Trebbiano viel bekannter.

Aus klimatischer Sicht profitiert die Weinbauregion vom mediterranen Klima und wenig Niederschlägen. Eine Besonderheit ist der Mistral: Der kalte Nordwind bläst vor allem im Frühjahr und Herbst. Durch seine Stärke kann er einerseits die Weinreben schädigen, wodurch Weinbau in der Provence gern in windgeschützten Berghängen betrieben wird. Andererseits verhindert der kalte, trockene Mistral, der auch für Schädlinge unbequem ist, in manchen Jahren auch Krankheiten an den Rebstöcken. 

Die Anbaugebiete

Mit rund 21.000 Hektar Rebfläche ist die Côtes de Provence das Hauptanbaugebiet der Region, das sich über drei Départements und etwa 80 Gemeinden erstreckt. Mittendurch verläuft Massif des Maures, um welches herum viele Rebgärten angesiedelt sind. Mit den verschiedenen Höhen des Gebietes können die Winzer vortrefflich spielen. Die Sonneneinstrahlung beeinflusst die Reifung der Reben. Im Côtes de Provence werden zu etwa 80 Prozent Roséweine produziert. 

An der Mittelmeerküste, im Süden der Region, liegt die Appellation Bandol, in der die besten Rotweine der Provence gekeltert werden. In dem von Bergketten umgebenen Gebiet wächst hauptsächlich die Mourvèdre-Rebe, aus der meist Rotweine erzeugt werden. Die ausgeprägten, aber sehr feinen Tannine schenken ihr ein außerordentliches Alterungspotential. Die intensive Frucht des Mourvèdre erinnert an Brombeeren. Im Bandol ausgebaut kommen Pfeffer, Gewürze und animalischen Noten hinzu. Nach langer Reife dominieren Leder- und Holznoten, gekochte Beeren, Gewürze und Lakritze. 

Das Gebiet Cassis, das rund um das gleichnamige Hafenstädtchen liegt, ist vor allem für seine Weißweine bekannt. Dreihundert Sonnenstunden im Jahr sorgen dafür, dass der provenzalischer Weißwein voluminös und charakterstark reift. Seine Aromen sind bezaubernd: Sie erinnern an weiße Blüten, Pfirsich, Aprikosen, Mandeln, exotische Früchte und Mango. 

Ansouis in Luberon

Elisabeth Voigt

 

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Weinkrimis aus der Provence

Weinkrimi und Rezepte von Sophie Bonnet - Provenzialische Verwicklungen und Provenzialischer Genuss

„Sainte-Valérie, ein idyllisches Dorf in der Provence inmitten von Weinbergen und Olivenhainen. (…) Doch mit der dörflichen Ruhe ist es plötzlich vorbei. Der Lokalcasanova wird ermordet in einem Weinkeller aufgefunden – neben einem Rezept für Coq au Vin.“ 

Sophie Bonnet schreibt Krimis, die die Stimmung der Provence einfangen. Immer wieder geht es auch um das gute Essen der Region. In „Provenzialische Verwicklungen“ spielt auch der Wein eine Rolle. Aktuell stellt die Autorin ihr erstes Kochbuch „Provenzialischer Genuss“ vor – mit den Lieblingsrezepten ihres Ermittlers Pierre Durand.