Orte des Teegenusses

Teegenuss
Teegenuss ist sehr vielfältig

Ob traditionelle japanische Teezeremonie, Tee aus dem Samowar oder klassische englische Tea Time – in Deutschland gibt es viele spannende Orte des kultivierten Teegenusses.

Eintauchen in eine ganz andere Welt und dabei Tee genießen. Etwas über die verschiedenen Zubereitungen des zarten Getränks erfahren. Die Teekultur eines weit entfernten Kontinents spüren. Es gibt viele Gründe, besondere Orte des Teegenusses aufzusuchen. Weit reisen muss man dafür nicht. In Deutschland gibt es für jeden Geschmack die richtige Adresse – ob schwarzer oder grüner Tee, europäisch oder asiatisch. 

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Tadshikische Teestube 

Wer bei Teekultur an den Samowar denkt, kann in Berlin Märchenhaftes erleben: Zwischen handgeknüpften Teppichen und kunstvoll geschnitzten Säulen knien oder liegen die Gäste auf farbenprächtigen Kissen. Vor dem Betreten der Tadshikischen Teestube muss man zunächst die Schuhe ausziehen. Auf niedrigen Holztischen werden russische Piroggen, Bliny und Pelmeni serviert, dazu Tee aus dem Samowar, der schwarz ist und extra stark. 

In kleinen Schälchen wird Marmelade gereicht, die nicht als Brotaufstrich gedacht ist, sondern zum Süßen in den Tee gerührt wird. Regelmäßig sind Märchenerzählerinnen zu Gast. 

Kurios ist auch die Historie dieses besonderen Ortes: Das Ursprungsland dieser Teestube ist die heutige Republik Tadschikistan in Zentralasien. Das Mobiliar und die geschnitzten Säulen waren 1974 in der DDR eine Attraktion im sowjetischen Pavillon der Leipziger Messe. Da sich der Rücktransport als zu aufwändig erwies, wurde die Tadshikische Teestube kurzerhand der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft (DSF) vermacht. Diese brachte die Gabe in ihrem Haus am Kastanienwäldchen unter. Das frühere Finanzministerium wurde nach der Wende vom Haus der DSF zum Palais am Festungsgraben. In der Teestube wurde derweil weiter Tee gekocht. Als ruhige Oase inmitten der turbulenten Innenstadt wurde diese glanzvolle Stille, ganz eigene Welt bald zum Geheimtipp. 2013 zog die Tadshikische Teestube in die Oranienburger Straße um, die ebenfalls im Berliner Bezirk Mitte liegt. 

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Tea Time im englischen Landhaus 

Einer der britischsten Orte außerhalb des Vereinigten Königreiches liegt ausgerechnet in Baden-Württemberg. Das bezaubernde Landhaus Ettenbühl, ein ehemaliger Aussiedlerhof, wurde 1999 vom englischen Gartendesigner und Rosenzüchter John Scarman gestaltet. Er schuf einen 5 Hektar großen Landschaftsgarten in klassisch- englischem Stil, mit Rosengarten, Ahornwäldchen und Hainbuchenlabyrinth. Trotz gepflegter Lebensart geht es dort völlig unverkrampft zu: Das Betreten des Rasens, auch barfuß, ist ausdrücklich erlaubt! 

Im Gästehaus sind Tapeten und Bettüberwürfe romantisch geblümt wie zu Agatha Christies Zeiten. Bei gutem Wetter serviert man die Étagère zur Tea Time auf der Gartenterrasse. Ist es dafür zu kalt, trifft man sich am Kamin des Tearooms. Neben stilechten Gurkensandwiches gibt es hausgemachte Kuchen, Törtchen und – very British – Scones mit Clotted Creme. Die süßen englischen Brötchen werden mit Erdbeermarmelade serviert. Clotted Creme, ein halbfester Rahm aus Rohmilch, ist eine ursprungsgeschützte Spezialität der Grafschaften Cornwell und Devon. Beim Tee können die Gäste aus 26 exklusiven Sorten wählen. 

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Teezeremonie im Park

Im Englischen Garten in München steht auf einer kleinen Insel das japanische Teehaus. Man überquert eine schmale Brücke und beendet sich sogleich in einer anderen Welt. Papierwände, Erdfarben und Tatamimatten, auf denen die Gäste kniend Platz nehmen – im Vorführungsraum fühlen sich die Besucher, als seien sie auf Japanreise. Nach der kurzen Einführung in die Prinzipien der Teezeremonie, führen ein bayrisch sprechender Gastgeber und eine Japanerin, beide im Kimono, einen Ausschnitt aus der traditionellen japanischen Teezeremonie vor. Der grüne Matcha Tee wird mit dem Bambusbesen zu einer schaumigen Flüssigkeit geschlagen und schmeckt intensiv herb. Solche Teenachmittage im Park kann man in vielen deutschen Großstädten erleben. Der „Marzahner Garten“ in Berlin, mit seinen verschiedenen Themengärten, entführt seine Besucher gleich in mehrere asiatische Teewelten: Im koreanischen „Seouler Garten“ wird die Teezeremonie mit einer gartenarchi- tektonischen Führung verbunden. Im Chinesischen Teehaus finden Vorführungen der „Teekunst“ statt. Reizvoll an einem kleinen See liegt auch das rustikale Teehaus des größten Japanischen Gartens Europas, in einem Teil des Hamburger Parks „Planten un Blomen“. Durch ein hölzernes Tor gelangt man in die Welt der Stille und Harmonie. In den Sommermonaten finden hier Teezeremonien statt. 

Simone Hoffmann

 

Fotos: ©Tadshikische Teestube, ©Landhaus Ettenbühl und ©plantenunblomen, hamburg.de/ Bernd Adresen