Ökologisches Wohnen

Papierhaus von zwei Händen gehalten
Ein gesundes Zuhause sorgt rundum für Wohlbefinden und schont die Umwelt. Daher lohnt es sich auf ökologische Baumaterialen zu achten

Ob bei der Ernährung, der Kleidung oder in der Medizin – immer mehr Verbraucher suchen nach natürlichen Alternativen. Auch nachhaltiges, ökologisches Wohnen liegt voll im Trend. 

Ein gesundes Zuhause sorgt für Wohlbefinden von Körper und Seele. Schadstoffe in Bodenbelägen, Wandfarben oder Möbeln können dagegen ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen – von Allergien über Atemwegsbeschwerden bis zu Krebserkrankungen. Darum lohnt es sich beim Hausbau, Ausbau oder auch der Renovierung einer Wohnung auf ökologische Baumaterialen zu achten. Auch bei der Einrichtung und Wohnraumgestaltung spielt das Thema Wohngesundheit eine wichtige Rolle. Denn auch ein Sofa kann giftige Dämpfe ausscheiden. 
Beim ökologischen Bauen werden Naturbaustoffe und -dämmstoffe verwendet. Natürliche Baustoffe sind sehr robust und wirken sich positiv auf ein gesundes Klima im Gebäude aus. Für die Wände kommen Lehm, Ziegel und Holz infrage. Auch beim Verputz und Anstrich sollten ausschließlich Naturfarben verwendet werden. 

Schadstoffbelastungen prüfen

Abbildung Wohnzimmer
Durch die Wahl des richtigen Bodenbelags und der passenden Wandfarbe lassen sich Schadstoffe aus dem häuslichen Umfeld verbannen.

Beim Kauf eines Eigenheims muss man sorgfältig abwägen, ob alt oder neu die bessere Wahl ist. Alte Häuser haben zwar ihren ganz eigenen Charme, können aber beim Ausbau unvorhergesehene Probleme – wie etwa belastete Böden – bergen. Im Grundbuchamt bekommt man Auskunft darüber, ob das Haus nicht etwa auf einer ehemaligen Deponie gebaut wurde – was leider nicht so selten vorkommt wie man annimmt. Denn in den letzten 100 Jahren wurden so manche giftigen Industrieabfälle einfach im großen Stil vergraben. 

Auch Schimmelbildung ist in alten Häusern des Öfteren ein Problem. Manchmal sagt einem bei der Haus- oder Wohnungsbesichtigung schon die Nase, was Sache ist. Muffigem Kellergeruch sollte man aufmerksam auf den Grund gehen. In Innenräumen können auch Holzschutzmittel, die schon vor Jahren aufgetragen wurden, noch immer in die Raumluft ausdünsten.

Da es für Laien schwer ist mögliche Schadstoffbelastungen selbst einzuschätzen, sollte man sich unbedingt fachmännische Unterstützung holen. Die Spezialisten des Bundesverbandes deutscher Baubiologen beispielsweise beraten vor dem Hauskauf oder während der Sanierung. Auch Mieter können dort  Messungen vor Ort in Auftrag geben. 

Boden und Wände

Bei einer Renovierung von Haus oder Wohnung bietet sich die Chance Schadstoffe aus dem häuslichen Umfeld zu verbannen. Der Schlüssel dazu ist die Wahl des richtigen Bodenbelags und der passenden Wandfarbe. Holzböden sind umweltfreundlich und ideal für Allergiker. Am schönsten – und am besten für die Raumluft – sind sie in ihrer natürlichen Farbe und Maserung. Alter Lack muss daher meist runter. 

Wachse und Öle zum Versiegeln stellen generell ein geringeres Problem dar als Lacke. Denn die langfristige Ausdünstung von Schadstoffen ist bei Wachs und Öl als niedrig einzuschätzen. Wer Lack auftragen möchte, sollte zu umweltfreundlichem Acryllack auf Wasserbasis ohne Lösungsmittel greifen. 

Generell unproblematische Bodenbeläge sind Fliesen, Linoleum, Sisal oder Kork. Bei allen vieren gibt es nur geringe Ausdünstungen. 
Laminatböden werden gern als preiswertere Alternative zum Holzboden angeboten. Es gibt sie nicht nur in Holzoptik, sondern auch in zahlreichen anderen Dekoren – darunter Fliesen- oder Steinoptik. 

gemütliches Arbeiten auf einem Holzfußboden
Ein ökologisches Haus zu planen kostet natürlich anfangs mehr. Immer mehr Förderprogramme unterstützen jedoch die Bauökologie mit Zuschüssen, Steuervorteilen und günstigen Krediten.

Unabhängige Prüfsiegel

Energieausweis
Das Heizen eines 200 Quadratmeter großen Hauses, das nach derzeitigen gesetzlichen Standards gedämmt ist, kostet etwa 800 Euro im Jahr.

In Deutschland werden Bodenbeläge vor ihrer Zulassung auf mögliche Emissionen geprüft. Dazu gehört auch die Prüfung auf Formaldehyd. Angezeigt wird der erfolgreiche Test durch das RAL-Zeichen, auf das man beim Kauf jedes Bodenbelags achten sollte. Außerdem ist es ratsam, PVC-Beläge grundsätzlich zu meiden. Sie enthalten viel Weichmacher und chlororganische Verbindungen.

Unabhängige Prüfsiegel geben Verbrauchern eine Orientierung. Das wichtigste ist der „Blaue Engel“ des Umweltbundesamtest. Er kennzeichnet Produkte, die – im Vergleich zu gleichwertigen Artikeln – die Umwelt und die Gesundheit besser schützen. Auf der Homepage des „Blauen Engels“ kann man in einem virtuellen Rundgang durch ein Haus verschiedene ausgezeichnete Produkte entdecken.

Außerdem gibt es noch die Siegel „Euro-Blume“, vergeben von der europäischen Kommission, und das „Tox-proof-Zeichen“ des TÜV. Einen Überblick verschaffen kann man sich auch durch die Stiftung Warentest, Ökotest und die Verbraucherzentralen. Wichtig zu wissen: Die Bezeichnung „schadstoffgeprüft“ ist nicht gleichbedeutend mit „schadstofffrei“. 

 

Wohlfühlen durch Farbe

Wohnzimmer mit Holzmaserung
Holzböden in ihrer natürlichen Farbe und Maserung sind am besten für die Raumluft und verbreiten ein wohliges Klima.

Die Farbgestaltung der Räume spielt für das Wohlempfinden eine ebenso große Rolle wie der Griff zu gesunden Materialien. Die Kombination von Tapete und Wandfarbe kann ein harmonisches Gesamtbild an den Wänden erzeugen. Tapeten und Farben bringen durch ihre farbliche Vielfalt, Dekor und Stil Abwechslung in die Wohnung – eine schöne Möglichkeit sich kreativ auszuleben. 

Bei Vlies- und Vinyltapeten sollte man auf die Inhaltsstoffe achten. Manche Vliestapeten sind aus aufgeschäumtem PVC und können daher Weichmacher enthalten. Auch bei Vinyltapeten wird häufig PVC verwendet. 

Dagegen sind Papiertapeten generell weniger schadstoffbelastet und schonen Ressourcen, wenn sie aus Recyclingpapier hergestellt werden. Sie können die Luftfeuchtigkeit im ganzen Raum regulieren, indem sie Feuchte aufnehmen oder abgeben. Daher sind sie auch nicht maßstabil, sondern werden beim Einkleistern durch die Aufnahme von Feuchtigkeit etwas größer. Das Aufbringen dauert also länger und braucht etwas Erfahrung. 

Energie sparen

Zum nachhaltigen Wohnen gehört auch der Energiespargedanke. Das Heizen eines 200 Quadratmeter großes Hauses, das nach den derzeit gültigen gesetzlichen Standards gedämmt ist, kostet etwa 800 Euro im Jahr. Verglichen mit den Heizkosten früherer Jahrzehnte ist das bereits sensationell wenig. Sind die Häuser jedoch besser gedämmt, als es der Gesetzgeber fordert und wird dazu noch Sonnenwärme genutzt, lassen sie sich bereits für unter 400 Euro pro Jahr beheizen.

Illustration Haus mit Solaranlage
Mit einer hauseigenen Solar- oder Windkraftanlage lässt sich eigene Energie erzeugen. Auch eine gute Dämmung sorgt für Energieersparnis.

Das Energiesparen funktioniert nach zwei großen Prinzipen: Einerseits durch die Dämmung der Gebäudehülle inklusive Fenstern und Türen. Andererseits dadurch, dass man seine eigene Energie erzeugt – etwa mit einer hauseigenen Solar-, Windkraft- oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlage. 

Bei den verschiedenen energiesparenden Konzepten für Neubauten – wie Effizienzhaus, Passivhaus oder Plusenergiehaus – schließen sich die beiden Prinzipien natürlich nicht gegenseitig aus. Allein ihr Schwerpunkt unterscheidet sie voneinander. So braucht das Passivhaus etwa extrem wenig Energie, weil es sehr gut gedämmt und abgedichtet ist. Das Plusenergiehaus hat dagegen eine einfachere Dämmung, nutzt aber die Erträge aus der Photovoltaikanlage.

Zu jedem Passivhaus gehören Solaranlagen. Durch die ständigen Fortschritte in der Solartechnik reichen heutzutage bereits einige wenige Solarplatten aus, um einen Ein-Familien-Haushalt mit Energie zu versorgen. Die perfekte Ergänzung zu Solaranlagen sind Photovoltaikanlagen. Sie wandeln die Sonnenenergie der Sonne in Strom um. An vielen Standorten in Deutschland ist die Sonneneinstrahlung so effektiv, dass der daraus gewonnene Strom nicht nur für einen einzelnen Haushalt ausreicht, sondern der Überschuss ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann. Besitzer der Kollektoren können dafür vom Stromnetzbetreiber eine Vergütung bekommen.warm gestrichener Essbereich

Natürlich kostet ökologisches Bauen mehr als der herkömmliche Hausbau. Aber immer mehr Förderprogramme in Deutschland unterstützen die Bauökologie. Finanzielle Zuschüsse, Steuervorteile und günstige Kredite für nachhaltiges Bauen machen die Nutzung erneuerbarer Energien auch in finanzieller Hinsicht interessant. 

Elisabeth Voigt


 

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