Kaffee auf Weltreise

Kaffeetasse mit Flugzeug Symbol im Kaffee
Kaffee findet man rund um die Welt

Eine Wiener Melange, ein italienischer Ristretto oder ein deutscher Filterkaffee – die Vorlieben rund um die Welt sind so vielfältig, wie die damit verknüpften Traditionen. Wie wird Kaffee in anderen Ländern genossen? Bei welcher Gelegenheit? In welcher Zubereitung? Wer kommt dabei zusammen?

Ein modisch gekleideter Geschäftsmann huscht am Nachmittag zwischen zwei Terminen in eine Bar in Mailand. Draußen brennt die Sonne, drinnen ist es schön kühl. Er macht ein Handzeichen und bekommt einen Espresso im Stehen, prüft die perfekte Crema mit einem kurzen Blick, genießt den kräftig-würzigen Geschmack, indem er für wenige Sekunden die Augen schließt. Er registriert die belebende Wirkung des heißen Getränks, während er bereits zahlt. Danach tritt er zurück auf die Straße. Der Kaffeemoment, den er sich genommen hat, ist wie ein süßes Geheimnis, dessen Wert sich nicht an der verbrachten Zeit messen lässt, sondern allein an deren Intensität.

Italien

Auch wenn der Espresso heute in aller Welt getrunken wird – er wurde in Mailand erfunden. Und mit ihm ein besonderes Lebensgefühl. Was Touristen oft nicht wissen: In italienischen Großstädten gelten für das kleine braune Heißgetränk oft zwei verschiedene Preise. Den Espresso im Stehen an der Bar zu trinken kostet etwa ein Drittel weniger, als wenn man sich dazu an den Tischen des gleichen Etablissements niederlässt.

Anders als beim Coffee to go aus den USA, nimmt man sich in Italien jedoch die Zeit zu verweilen und den Kaffee aus der Porzellantasse zu trinken. Auch wenn es nur wenige Minuten sind, in denen man dem Getränk die ungeteilte Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt: Es geht weniger um den raschen Energieschub zwischendurch, als um einen winzigen Augenblick der Freude, den man sich aller Termine zum Trotz gönnt.

Italiener trinken zum Frühstück Cappuccino. Espresso ordert man am Nachmittag. Varianten dieser Zubereitung sind der doppelte „Doppio“, der „Ristretto“ mit weniger Wasser oder der mit heißem Wasser verlängerten „Lungo“. „Latte Macciato“ heißt „Milch mit Fleck“. In ein Glas voll heißer Milch wird ein Espresso gegossen und hinterlässt ein Fleckchen Braun im Weiß. Damit ein dreistöckiges Mischgetränk aus Milch, Kaffee und Schaum entsteht, muss die Milch etwas kälter sein als der Espresso.

Oft verwechselt wird der „Latte Macciato“ mit „Caffé Latte“. Letzterer ist die italienische Version des Milchkaffees – zubereitet aus Espresso, der mit heißer Milch aufgefüllt wird. Das Getränk hat nur eine dünne Milchschaumschicht und sollte in einer breiten Milchkaffeetasse serviert werden.

 

Frau mit Kaffeetasse in der Hand

Frankreich

Gemessen an ihrer Lust an gutem Essen, frühstücken die Franzosen spärlich. Milchkaffee wird in der Schale – der „bol“ – gebracht. Dazu gibt es ein Croissant oder ein Stück Baguette, höchstens mit gesalzener Butter und Konfitüre – meist jedoch ganz pur.

Das Croissant taucht tief in die Kaffeeschale ein, kommt triefend wieder zum Vorschein und wird nicht selten ganz gedankenverloren ausgesaugt, als sei es nur ein beliebiges Transportmittel für den Kaffee. Beim Frühstücken scheinen die meisten Franzosen noch zu schlafen. Vielleicht, weil das Abendessen gewöhnlich nicht unter drei Stunden dauert, gern jedoch länger? Gutes Essen beginnt in diesem Land eben später am Tag.

Kaffeetasse mit einer leckeren Beilage

 

Typisch französisch ist die Zubereitung des Kaffees in der 1850 in Frankreich erfundenen „French Press“. In dieser Pressstempelkanne wird das Kaffeepulver einfach mit heißem Wasser übergossen und nach dem Ziehen auf den Kannenboden gepresst.

Österreich und Schweiz

Die Wiener sind bekanntlich verrückt nach Kaffee. Nach dem Universitätsbesuch gehen Studenten in der österreichischen Hauptstadt nicht nachhause sondern ins Kaffeehaus, um weiter zu diskutieren.

Dort kann man zwischen unzähligen Kaffeesorten wählen. Zu den wichtigsten gehören die „Melange“, wie der österreichische Milchkaffee heißt, und der „Kleine Schwarze“ – manchmal ein Espresso, manchmal Filterkaffee, manchmal ein Mokka – Hautsache klein und schwarz. Ein „Verlängerter“ ist mit heißem Wasser verlängerter starker Kaffee. Ein „Einspänner“ ist ein kräftiger Kaffee mit Sahnehaube, der im Glas serviert wird. „Kaffee verkehrt“ ist Kaffee mit mehr Milch als Kaffee – also verkehrt herum. Und der „Braune“, den es als „Großer“ oder „Kleiner Brauner“ gibt, wird mit einem Gemisch aus Milch und Sahne aufgegossen

Aus der Schweiz kommt der inzwischen weltweit bekannte „Schümli“ – ein Kaffee mit dichter Crema aus dem Kolbenautomaten, der ansonsten eher an Filterkaffee erinnert. „Schümli“ heißt er übrigens nur in Deutschland. In der Schweiz wird er „Café natur“ genannt.

Gasse mit Coffeshop

Deutschland

Deutschland ist das Heimatland des Filterkaffees. Von der heimischen Kaffeetafel war er Jahrzehnte lang nicht wegzudenken. Sonntags gab es Filterkaffee mit Kaffeesahne zum Blechkuchen, feiertags zur Torte. Heute erlebt der Handgefilterte eine Renaissance als angesagtes Szenegetränk. 

Die Erfinderin des Filterprinzips war die Dresdner Hausfrau Melitta Bentz, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts den ersten Handfilter aus einer Blechdose mit Löchern bastelte, in die sie ein Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes legte. Der grobe Kaffeesatz war ihr zuwider und sie suchte nach einer Idee, ihn nicht mittrinken zu müssen. 1908 ließ sich die pragmatische Frau ihre geniale Idee patentieren. Der Name „Melitta“ wurde zum Synonym für die spitz zulaufende Filtertüte.

Kaffeekanne mit Keksen

Skandinavien

2 Stühle Ob es an den vielen dunklen Tagen in der kalten Jahreszeit liegt? Skandinavien hat nach den USA den größten Kaffeeverbrauch der Welt. Norwegen, Schweden und Finnen mögen ihre Kaffeebohnen schon immer hell geröstet. Die karamellbraunen Bohnen geben mehr von ihrem Aroma preis, als stark gerösteter Kaffee.

Im Land von „Pettersson und Findus“ trinkt man den Kaffee ganz unkompliziert am liebsten zuhause aus dem Becher. Mittags in die Kneipe zu gehen ist verpönt. Lieber trifft man sich beim Nachbarn, wo das Heißgetränk auch mal mit Hochprozentigem verlängert wird. Unter Freunden genießt man „schwedischen Kaffee“ mit Wodka, Klarem oder Kümmel.

Zur Kaffee- und Kuchenzeit ins Café zu gehen ist dagegen in Schweden sehr beliebt. Neben einem reich gedeckten Kuchenbuffet gibt es dort in vielen Cafés zum Festpreis so viel Kaffee wie man mag.

 

 

 

USA

Fast wie ein Gegenentwurf zur gemütlichen Kaffeepause der Europäer, wirkt die amerikanische Idee der Coffee Shops. Dabei war Howard Schultz, der Gründer der Starbucks Kette, inspiriert von italienischen Kaffeebars, als der 1984 die erste Filiale in den USA eröffnete. Heute sind es weltweit rund 5.000.

Der Kaffee ist dort besser als sein Ruf. Die recht hochwertigen Bohnen kommen von Plantagen verschiedener Herkunftsländer. Allerdings werden sie extrem stark geröstet, was ihre Aromen überdeckt. Diese sehr dunkle Kaffeeröstung entspricht dem Geschmack der Mehrzahl der Amerikaner. Europäer empfinden diesen Röstgrad meist als zu dunkel, er schmeckt für sie beinahe „angebrannt“. Daher gibt es in den europäischen Filialen eine etwas andere Röstung.

War Kaffee zum Mitnehmen noch in den 1990iger Jahren als Symbol einer hektischen Zeit verschrien, wird er heute zunehmend beliebter. Bei den Pappbechern, die nach sehr kurzem Gebrauch im Mülleimer landen, findet zurzeit ein Umdenken statt. Das urbane Lebensgefühl muss nicht mit der Umweltbelastung erkauft sein. Mehrwegsysteme sind im Gespräch. Ein eigener Mehrwegbecher hat den zusätzlichen Vorteil, dass er das Getränk länger warm hält.Laptop mit Kaffee in goto Becher

Türkei und arabische Welt

Kaffeemehl, fein wie Sand gemahlen und in einem kleinen Topf mit Wasser und Zucker schäumend aufgekocht – das ist Mokka. Zusammen mit dem samtigen Kaffeesatz wird er in die Tasse gegossen und vorsichtig geschlürft, bis die Oberlippe den weichen Kaffeesatz berührt. Der Mokka machte seine Karriere in vielen Ländern.

„Ibrik“ heißt das reich verzierte Kännchen mit dem langen Stiel, in dem traditionell türkischer Mokka zubereitet wird. Weil in der arabischen Welt Alkohol verboten ist, nennt man den Kaffee dort auch „Qahwa“, was „Wein des Islam“ bedeutet.

Jedes Land in dem man traditionell Mokka trinkt hat seine eigenen Vorlieben: In Äthiopien, dem Heimatland des Kaffeebaums, ist die Zubereitung Teil der traditionellen Kaffeezeremonie, bei der frisch geerntete Kaffeebohnen über dem offenen Feuer geröstet werden. In Ägypten kocht man zerstoßene Kardamomkapseln oder Zimtstangen mit.

Kaffee nach türkischer Art

Im Libanon wird dunkel gerösteter Kaffee für die Mokkamahlung bevorzugt, obwohl überall sonst eine helle Röstung verwendet wird. In Griechenland wird der Mokka sowohl morgens als auch im Laufe des gesamten Nachmittags genossen – gern in Kombination mit dem beliebten Anisschnaps Uso. Auch in Russland und Rumänien trinken mehr als 50 Prozent der Bevölkerung ihren Kaffee auf türkische Art.

Vietnam

Das kleine Land Vietnam ist heute der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt. Dort werden vor allem Robusta-Bohnen angebaut.

Für eine in Vietnam erhältliche Kaffeemischung werden neben Arabica und Robusta auch die auf dem Weltmarkt eher unbekannten Bohnensorten Catimor und Chari verwendet. Der tiefdunkle Kaffee hat ein nussig-schokoladiges Aroma.

Für die authentisch vietnamesische Zubereitung wird der gemahlene Kaffee in einen speziellen Metallaufsatz gegeben und mit kochendem Wasser übergossen. Von dort tropft er innerhalb von drei bis fünf Minuten langsam durch einen kleinen Metallfilter in ein Trinkglas.

Auf dem Boden des Trinkgefäßes wartet bereits reichlich gesüßte Kondensmilch. Manche Genießer löffeln die Süßigkeit durch den heißen, bitteren Kaffee hindurch ohne erst umzurühren. In Vietnam wird der Kaffee jedoch meist gleich mit der Kondensmilch verrührt. Dabei entsteht ein mollig-süßes und trotzdem dunkel wirkendes Getränk, das die Vietnamesen am liebsten als Dessert genießen. 

Kaffee nach vitnamesicher Art

 

Elisabeth Voigt

 

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