Interview: Durch Bewegung bleibt das Gehirn fit

Kinder in Bewegung
Bewegung hat einen positiven Einfluss auf die Durchblutung des gesamten Körpers und damit auch des Gehirns. Die bessere Durchblutung des Gehirns führt wiederum dazu, dass Hirnleistungen ideal trainiert werden können.

Wir sprachen mit Chefarzt Prof. Dr. med. Matthias Pross, DRK Kliniken Berlin | Köpenick, über gesunden Schlaf und die Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen. 

Welchen Einfluss hat Bewegung auf die kindliche Gehirnentwicklung?

Bewegung – und damit körperliche Belastung – ist für jede Altersgruppe gut, insbesondere für Kinder. Wir erkennen heute, dass im Kindesalter die Grundlagen für das größte gesundheitliche Problem der modernen Welt gelegt werden: das Übergewicht. Fängt man nicht schon im Kindesalter an dem vorzubeugen, sind die daraus resultierenden Probleme in späteren Jahren nur schwer wieder in den Griff zu bekommen. 

Kinder bewegen sich heute zu wenig und essen das Falsche. Der Sportunterricht, der in den Schulen angeboten wird, reicht nicht aus. Zudem werden Kinder immer weniger animiert, sich in der Freizeit in Sportvereinen zu betätigen. Eltern wenden häufig zu wenig Kraft auf, die moderne Technik, die die Kinder nutzen, durch ein Zeitlimit zu begrenzen.

Natürlich ist die moderne Technik wichtig, aber Kinder und Jugendliche müssen daneben auch körperliche Aktivitäten betreiben, bei denen das Handy mal in der Tasche bleibt. Das wird gesellschaftspolitisch nicht so fokussiert, wie es meiner Erfahrung nach notwendig wäre.

Bewegung hat einen positiven Einfluss auf die Durchblutung des gesamten Körpers und damit auch des Gehirns. Eine bessere Durchblutung des Gehirns führt wiederum dazu, dass Hirnleistungen ideal trainiert werden können, Stoffwechselprozesse im Körper und im Gehirn positiv stimuliert werden und biochemischen Prozesse im Gehirn effektiver ablaufen. Kurz: Bewegung und Gedächtnisleistung stehen in Korrelation zueinander, was viele wissenschaftliche Untersuchungen belegen.

Foto Prof. Dr. med. Matthias Pross
Prof. Dr. med. Matthias Pross

Welche Arten der Bewegung sind dafür besonders gut geeignet?

Spielerische Bewegung ist sicherlich das Beste. Denn die Bewegung muss den Kindern Spaß machen, damit sie dabei bleiben und das Bewegen für sie zu einer Selbstverständlichkeit und einem Bedürfnis wird. 

Wenn der innere Schweinehund dagegen steht und Bewegung nicht mit Spaß verknüpft wird, werden die Kinder im Erwachsenenalter nicht mehr in Bewegung bleiben. Daher muss jeder möglichst die für sich passendste Sportart finden – am besten schon als Kind.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Schule den Kindern ermöglicht, zwischen unterschiedlichen Formen der Bewegung zu wählen. Jedem macht etwas anderes Spaß. Politik, Eltern und Erzieher sind gefragt die passenden Bedingungen dafür zu schaffen. 

Kinder müssen unterstützt werden, nicht nur monetär, sondern auch durch das Angebot eines freien Trainings. Manchmal sind es einfache Dinge, wie etwa genügend Plätze in der Stadt, Vereine für Freizeitsport, Mitfahrgelegenheiten zum Trainingsort oder einfach mehr Zeit, die man sich nehmen kann, um Kinder zu unterstützen.

Wie findet Familien gemeinsam das richtige Maß für die Benutzung der modernen Medien?

Rituale schaffen, damit man abends zur Ruhe kommt
Rituale können gegen Einschlafstörungen helfen - etwa eine Tasse Tee zu trinken und ein paar Seiten in einem Buch zu lesen, damit man zur Ruhe kommt und schließlich einschlafen kann.

Meine Kinder sind aus dem Alter heraus, in dem sie sich von mir beeinflussen lassen. Aber wenn ich jemanden beeinflussen dürfte, würde ich ein Tageslimit für den Gebrauch von Handys, Fernsehen und Computernutzung setzen. Oder anders herum: ein Mindestpensum an Zeit für die Bewegung. Wenn man der Sucht nach neuen Medien nicht etwas entgegensetzt, hat das oft schwerwiegende Folgen für die Kinder und Jugendlichen.

Es ist wichtig, einen gesunden Mittelweg zu finden. Die richtige Nutzung von digitaler Technik führt auch zu geistiger Arbeit. Der Computer ist als Werkzeug und Arbeitsgerät sinnvoll genutzt, kann unterhaltsam sein und bilden. 

 

Zu wenig Bewegung führt auch zu Schlafstörungen. Was sind andere häufige Ursachen für einen gestörten Schlaf?

Für Schlafstörungen gibt es viele unterschiedliche Ursachen. Die häufigsten sind psychischer Natur – vom einfachen Überlastungssyndrom bis zur Depression. 

Eine weitere häufige Ursache für einen gestörten Schlaf sind chronische Schmerzen: Wer Schmerzen hat kann nicht einschlafen. 

Schlafstörungen sind ein massives Problem unserer Gesellschaft. Viele merken es gar nicht, wenn sie nicht richtig schlafen können. Aber drei bis vier Stunden Schlaf am Tag reichen für einen erholsamen, gesunden, regenerativen Schlaf, in dem sich auch das Gehirn zur Ruhe begeben kann, nicht aus.

Wer zu lange nicht schlafen kann, gefährdet die Kompensationskräfte seines Körpers. Dann treten andere, psychosomatische, sekundäre Folgen auf, die ganz unterschiedlicher Natur sein können – etwa Bauchschmerzen oder chronischer Kopfschmerz.

Die Folgen können sehr unterschiedlich sein. Daher muss man Schlafstörungen frühzeitig selbst erkennen und sie angehen.

Wann sollte man deswegen einen Arzt aufsuchen?

Eigentlich sollte man immer, wenn man Schlafstörungen bemerkt, dies gegenüber seinem Arzt erwähnen. Der Arzt wird vielleicht nicht gleich helfen können – und auch zu Tabletten sollte man nicht zu schnell greifen – aber er kann die Schlafstörungen in den Kontext des Gesamtzustandes seines Patienten einordnen.

Natürlich wird jeder in seinem Leben dann und wann einmal an Schlafstörungen leiden – gerade berufliche Überlastung ist da ein großes Problem – doch dann ist es wichtig, Rituale für sich zu schaffen: abends eine Tasse Tee trinken, ein paar Seiten in einem Buch lesen, damit man zur Ruhe kommt und schließlich einschlafen kann. Schafft man das nicht alleine, muss man sich Hilfe besorgen – ob sie von einem Arzt kommt, einem Psychologen oder dem Yogastudio kann jeder für sich entscheiden.

Wenn gar nichts hilft: Kann man doch mal ein Medikament zum Einschlafen nehmen?
Wer einfache, frei verkäufliche Medikamente nimmt, sollte darauf achten, dass er diese auf keinen Fall länger als ein bis zwei Monate einnimmt. Vor der längeren Einnahme von Medikamenten muss man sich auf jeden Fall medizinische Hilfe suchen.

Wir bedanken uns für das Gespräch!

Das Interview führte Elisabeth Voigt. 

 


Darmkrebserkrankungen werden seltener – Bauchspeicheldrüsenkrebs nimmt zu

Vor einigen Jahren berichteten wir über Darmkrebs, dessen Häufigkeit damals zunahm. Inzwischen ist das Problem in der Bevölkerung bekannt und die Darmkrebsfrüherkennung wird von vielen Menschen regelmäßig wahrgenommen. Wir sprachen mit Prof. Dr. med. Matthias Pross, Chefarzt der Chirurgie der DRK Kliniken Berlin | Köpenick, daher noch einmal über dieses Thema.

Welche neuen Erkenntnisse gibt es in der Tumorchirurgie?

Die Häufigkeit von Darmkrebs nimmt ab. Hier zeigen sich die Erfolge der Vorsorgeuntersuchungen, die über Jahre durchgeführt wurden und deren steigender Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung. 

Bei Untersuchungen im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung können Polypen rechtzeitig diagnostiziert und entfernt werden, um so zu verhindern, dass sich daraus ein bösartiger Tumor entwickelt. Es ist nachweislich so, dass die Häufigkeit von Dickdarmkrebs derzeit abnimmt.Abbildung Magen, Leber, Darm

Dafür nimmt in den letzten Jahren die Häufigkeit des Bauchspeicheldrüsenkrebses zu – die Ursachen dafür sind bisher noch unklar.

Für die Bauchspeicheldrüse gibt es leider keine Vorsorgeuntersuchung. Aber man sollte bei chronischen Bauchschmerzen immer auch an die Bauchspeicheldrüse denken. Wenn ein Verdacht besteht, kann man eine Ultraschalluntersuchung machen. Bei schlanken Patienten ist die Bauchspeicheldrüse dabei gut zu sehen.
Tumor-Behandlungen sind aggressiver geworden und erreichen bei beiden Tumorarten eine deutliche Verbesserung des Langzeitüberlebens – nicht der Heilung, aber des Langzeitüberlebens. Das gilt auch für Lebermetasthasen. 

Bilder: DRK Kliniken Berlin|Köpenick; Christian Schwier/stock.adobe.com; George Dolgikh; Henrie/stock.adobe.com