Human Centric Lighting – auch für zuhause

human centric lighting im privaten Bereich
Der Verlauf des Sonnenlichts ist verantwortlich für die "innere Uhr" des menschen: Das blaue Licht am Morgen macht uns wach, konzentriert und fit. Die wärmeren Farbtöne am Abend lassen uns zur Ruhe kommen und bereiten uns auf den Schlaf vor.

Das richtige Licht in der richtigen Situation sorgt für bessere Stimmung, konzentriertes Arbeiten oder ruhigen Schlaf. Darum spielt „Human Centric Lighting“ nicht nur in Büroräumen, sondern zunehmend auch im Privatbereich eine immer größere Rolle.

Der biologische Rhythmus des Menschen wird von dem Verlauf des Sonnenlichtes geprägt. Ende 2017 gelang es drei amerikanischen Forschern die Existenz der „inneren Uhr“ zu beweisen, die den Tag-Nacht-Rhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen steuert. 

Demnach ist die Menge der Blauanteile im Licht dafür zuständig, die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin – abhängig von der Tageszeit und dem sich damit verändernden Licht – zu reduzieren oder zu fördern. 

Das relativ blaue Licht am Morgen sorgt für eine Blockade des Melatonins und eine höhere Aktivität des Stresshormons Cortisol. Das macht wach, konzentriert und fit. 

Im Verlauf des Tages verändert sich die Lichtfarbe. Die wesentlich wärmeren Farbtöne führen zu einer Umkehrung dieser Effekte. In den Abendstunden kommen die Menschen zu Ruhe und bereiten sich auf den Schlaf vor.

Auf der Fachmesse „Light & Building“ war „Human Centric Lighing (HCL)“ daher eines der zentralen Themen in der Leuchtenindustrie, bei Architekten und Planern, die darauf basierende Lichtkonzepte entwickelten. 

lichtdurchflutete Küche
Biologisch ausgerichtete Leuchten folgen dem Verlauf der Sonne und sorgen so für eine gesündere Beleuchtung - bisher vor allem im Bürobereich. Aber auch für die private Nutzung ergeben sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. 

Wohlfühllicht zu jeder Tageszeit

Viele Menschen bekommen an langen Bürotagen und im Winter den Einfluss der Sonne nur selten zu spüren. Das kann zu Problemen wie Schlaflosigkeit, Ermüdung und sogar Depressionen führen. Biologisch ausgerichtete Leuchten folgen dem Verlauf der Sonne und sorgen so für eine gesündere Beleuchtung. 
An HCL orientierte Beleuchtungslösungen versuchen den biologischen Prozess der Hormonsteuerung zu unterstützen, bzw. die fehlende Sonneneinstrahlung, die diesen natürlichen Vorgang aktiv unterstützt, zu simulieren.

Bei einer anspruchsvollen und seriösen HCL-Beleuchtungsplanung müssen Lichtfarbe, Lichtintensität und Lichtrichtung berücksichtigt werden, um der Wirkung des Sonnenlichtes möglichst nahe zu kommen. 
Biologisch wirksames Licht kam bisher vor allem in der Beleuchtung von Bürogebäuden und Gesundheitseinrichtungen zum Einsatz und sorgte dort für konzentrierteres Arbeiten bzw. schnellere Genesung. Aber auch für die private Nutzung wird HCL nach und nach ein Thema. 

Intuitiv wussten die Menschen eigentlich schon immer, dass helles Licht am Morgen und gedämmtes Licht am Abend gut für sie ist, meint Dr. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer der Brancheninitiative „licht.de“: „Früher gab es Glüh- und Halogenlampenlicht, das abends gerne gedimmt wurde. Dieses war bereits in einem warm-weißen Bereich. Die Menschen richteten sich damals also unbewusst schon nach dem Tagesrhythmus“. 

Aus der privaten Nutzung ergeben sich nun vielfältige neue Anwendungsmöglichkeiten, so Dr. Waldorf: „Wenn es nach einem langen Winter im Frühling wieder früher hell ist, fühlt man sich einfach wohler. Diesen Effekt kann man z.B. für die Badbeleuchtung nutzen – etwa durch Leuchten, die sich in zwei Farbtemperaturen schalten lassen – auf warm-weißes oder kalt-weißes Licht. Das kalt-weiße Licht sorgt dann für einen Frische-Kick beim Zähneputzen.“

Ganzheitliche Lichtplanung

gut ausgeleuchtetes Badezimmer

„Auch morgens in der Küche ist kalt-weißes Licht angenehmer“, findet Dr. Waldorf. Und auch beim Kochen braucht man kein warmes Licht. „Beim Vorbereiten von Lebensmitteln möchte man gut sehen“, erklärt er. 
„Im Angebot sind bereits Lampen, die die Farbtemperatur wechseln oder solche, die über eine App unterschiedlich einstellbar sind. Lichtwecker helfen beim Aufwachen“, erläutert Dr. Waldorf. „Solche kleine Licht-Lösungen sind auch im Mietwohnungsbereich gut nutzbar.“

Aber Human Centric Lighting kann noch mehr: „HCL zeigt nicht nur in seinem biologischen Ansatz Wirkung, sondern gehört zur ganzheitlichen Planung eines hochwertigen Neubaus. Die Lichtfarbe ist dabei auch Gestaltungselement, lässt einen Raum kühler, brillanter oder wärmer erscheinen. Zum Wohlgefühl trägt auch die Anordnung der Leuchten bei. Gezielt gesetzte Lichtpunkte erzeugen Lichtszenen im Raum. Man kann zudem mit dem Licht spielen: Eine strukturierte Tapete kommt mit Streiflicht erst richtig zur Geltung“, beschreibt der Fachmann die Vielfalt der Möglichkeiten. 

„Die Lichtfarbe richtet sich – außer nach der Tageszeit – auch nach der jeweiligen Tätigkeit: Um den Boden um die Couch herum sauber zu machen, brauche ich viel helles Licht; beim Liegen auf der Couch will ich wenig Licht, um es mir gemütlich zu machen“, weiß der Experte.

„Für Lichtplaner gehört HCL zunehmend zum Planungsprozess, in dem man die Bedürfnisse der Nutzer evaluieren muss. Erst dann entsteht ein sauberes Lichtkonzept, das die Bewohner des Hauses begeistert“, sagt Dr. Waldorf. 
Auf der Website von Brancheninitiative „licht.de“ findet sich das Heft licht.wissen 21 „Leitfaden Human Centric Ligthing (HCL)“ zum kostenfreien Download. Sie führt in das Thema ein und begleitet mit einer Bildergeschichte eine Familie mit HCL durch den Tag.

Elisabeth Voigt

 

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