Homöopathie für Kinder

Homöopathie für Kinder
„Habe den Mut, Dein Kind in seinem Wesen zu lassen“ - Sandra Seelig

Die Geburt des eigenen Kindes ist wohl die größte und intensivste Veränderung, die wir in unserem Leben erfahren dürfen. Wir sortieren unseren Alltag neu, treffen Zukunftsentscheidungen im Beruf, hinterfragen unser Lebensumfeld. Bereits zu Beginn der Schwangerschaft rückt die gesunde Ernährung in den Fokus, wir möchten jede Art von Pestiziden und künstlichen Nahrungszusätzen vermeiden, Genussgifte wie Alkohol oder Tabak kommen sowieso nicht in Frage.

Irgendwann setzen wir uns auch mit dem Thema der medizinischen Begleitung auseinander, sei es bei der Geburt oder wenn der der kleine Mensch das erste Mal krank wird. Vielleicht haben die Eltern schon im Leben vor dem Baby Kontakt mit der komplementären Medizin gehabt – spätestens jetzt ist das Interesse daran da. Ratgeber werden gelesen und in Elterngruppen tauscht man sich darüber aus.

Die Homöopathie gehört wohl zu den populärsten Therapieformen. Ihr Ruf als „sanfte Medizin“ macht viele Eltern neugierig. So ist es nicht verwunderlich, dass man in vielen Familien-Hausapotheken bestimmte Globulis findet – etwa Chamomilla für das zahnende Baby oder Arnica für die kleinen Unfälle im Alltag. Mittlerweile gibt es jede Menge hilfreiche Bücher zu diesem Thema, die den Eltern bei der Auswahl des richtigen Mittels gute Dienste leisten. Aber kann ich bei der Vielzahl der Wirkstoffe überhaupt zu Hause alleine das richtige Mittel finden oder sollten man doch lieber zum Arzt oder Heilpraktiker gehen?

Wir sprachen mit der Heilpraktikerin Sandra Seelig. Sie leitet eine Praxis für Homöopathie für Kinder und Jugendliche in Berlin-Friedenau und führt regelmäßig Workshops für Eltern zum Thema Homöopathie durch.

Homöopathie

Wie sind Sie zur Homöopathie gekommen?

Sandra Seelig: Im Grunde so wie die meisten Eltern. Die ersten Globulis hat mein Sohn beim Zahnen bekommen und bei Infekten habe ich verschiedene Mittel ausprobiert. Meistens habe ich durch Zufall etwas in Elternforen gelesen und es dann selber zu Hause probiert. Die wahre Kraft der Homöopathie habe ich erst bei meinem zweiten Sohn kennenlernen dürfen. Er hat von Geburt an sehr schlecht bis gar nicht geschlafen, eine wahre Ärzte-Odyssee folgte, die aber am Ende nichts brachte. Mit 2 Jahren wurde er in der Nacht noch immer nahezu stündlich wach. Völlig verzweifelt und am Ende unserer Kräfte landeten wir nach der Empfehlung einer Freundin bei einer Heilpraktikerin, die auf Homöopathie spezialisiert war.

Nach einer ausführlichen Anamnese erhielten wir ein Arzneimittel, von dem wir einen Tropfen in einem Glas Wasser auflösen und davon unserem Kleinen einen Teelöffel vor dem Schlafen verabreichen sollten. Es erschien uns mehr als absurd, dass das helfen sollte. Was nun passierte, darf ich heute selbst mit großer Freude bei meinen Patienten erleben. Die Arznei wirkte sofort, unser Sohn schlief das erste Mal in seinem Leben durch. Wir glaubten an einen riesigen Zufall, aber weitere Nächte folgten. Nach Rücksprache mit der Heilpraktikerin konnten wir das Mittel nach wenigen Tagen wieder absetzen und die unruhigen Nächte waren Geschichte.

Meine mich seit Jahren quälenden Verdauungsbeschwerden und Milchunverträglichkeit ließ ich danach ebenfalls erfolgreich homöopathisch behandeln. Meine Neugier war geweckt und seitdem hat mich die Homöopathie nie wieder losgelassen. Viele Studienjahre folgten und nach der Zulassung zur Heilpraktikerin durfte ich endlich selbst Familien auf diesem Weg begleiten.

Das hört sich fast zu schön an, um wahr zu sein...

Homöopathie
Eine warme und angenehme Atmosphäre für Kind und Eltern erweist sich für eine aussagekräftige Anamnese als sehr wertvoll.

Ja, das stimmt. Deswegen verstehen wir, die täglich mit der Homöopathie arbeiten auch nicht, warum diese Therapieform immer noch in Frage gestellt wird. Mittlerweile gibt es jedoch zunehmend Ärzte, die die Homöopathie für sich entdecken. Meistens übrigens auch durch ähnliche private Geschichten und tiefgreifende Ereignisse, wie ich sie erlebt habe. Mehr und mehr Krankenkassen nehmen die Homöopathie in ihren Leistungskatalog auf.Homöopathie

Können Eltern, die sich mit der Homöopathie gar nicht auskennen, denn einfach selbst Globulis zuhause verwenden?

Das muss man ganz klar differenzieren. Die Form der Homöopathie, die Eltern zu Hause anwenden, hat ja im Grunde nicht viel mit ihren Grundsätzen zu tun. Sie behandeln ja eigentlich in der Art der Schulmedizin. Dabei wird losgelöst vom Gesamtbild der Krankheit ein Symptom, wie z.B. Schnupfen, in einem Ratgeber nachgeschlagen, vielleicht noch das Aussehen des Sekretes differenziert, und schließlich eines der Globulis gegen Schnupfen verabreicht. Die in diesen Ratgebern empfohlenen Mittel zählen zu den sogenannten bewährten homöopathischen Arzneimitteln. Sie zeichnen sich durch hundertfache Prüfung und Anwendung aus und können einzelne Symptome mildern, auch wenn sie die restlichen Symptome der Patienten nicht erfassen.

Entweder passiert nun gar nichts, weil das falsche Mittel verabreicht wurde, oder aber die Symptomatik verbessert sich und der Krankheitsprozess wird verkürzt. In beiden Fällen hätte das Immunsystem – oder wie in der Homöopathie genannt „die Lebenskraft“ – den Schnupfen auch ohne ein Mittel geheilt. Trotzdem ist ein erleichterter Verlauf der Krankheit natürlich immer wünschenswert und sinnvoll. Während einer homöopathischen Behandlung bei einem Therapeuten, hätte der Schnupfen an sich nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Hier wäre es eher darum gegangen, was den Schnupfen ausgelöst hat, wann die Symptome besser oder schlechter werden, wie der Schlaf ist, was einem Angst macht und oder was man aktuell für Nahrungsvorlieben hat und so weiter.

Homöopathie
Die Dokumentation der Anamnese und die Repertorisation eines Arzneimittels ist sehr zeitintensiv, gehört aber genauso zu der Arbeit eines homöopathisch arbeitenden Therapeuten, wie das Gespräch und die Untersuchung.

Vielleicht kommt dann sogar ein Mittel zum Einsatz, das primär gar kein bewährtes Mittel gegen Schnupfen ist. Aber die Lebenskraft wird so ins Gleichgewicht gebracht, dass alle anderen Symptome auf der physischen und psychischen Ebene verschwinden.

Dazu ist es wichtig zu wissen, dass normale grippale Infekte zur gesunden Entwicklung im Kindesalter dazugehören und wir erinnern uns doch alle ganz gerne zurück, wenn unsere Eltern oder Großeltern uns dann unseren Lieblingspudding gekocht haben, wir die ganze Aufmerksamkeit für uns hatten und die bedingungslose Liebe unsere Familie uns wieder gesund machte.

Auch das ist Homöopathie, den Prozess annehmen und begleiten. Und wenn die Eltern sich die Zeit nehmen, um das richtige Mittel für ihr Kind zu finden und es dann verabreichen, wirken nicht nur die Kräfte der Homöopathie. Also ja: In einem gewissen Umfang und mit der richtigen Literatur können Eltern sehr gut zu Hause mit Homöopathie arbeiten.

Und wann wird es kritisch?

Wenn sich lebensbedrohliche Situationen einstellen, wie z.B starke allergische Reaktionen oder Fieber über 40 Grad. Dann sollte man schnellstmöglich zum Arzt oder gegebenenfalls den Notarzt rufen. Der homöopathisch arbeitende Arzt oder Heilpraktiker sollte konsultiert werden, wenn bestimmte Symptome immer wiederkehren oder gar nicht mehr verschwinden, wie z.B Hautausschläge, rezidivierende Infekte oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Auch psychische oder emotionale Probleme, wie starke Ängste, Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsschwierigkeiten können sehr erfolgreich homöopathisch behandelt werden. Die ganz große Kraft der Homöopathie liegt in der Behandlung von chronischen Krankheiten. Hierzu zählen zum Beispiel Neurodermitis, Allergien oder Asthma. Zusammenfassend könnte man sagen: Die kleinen Katastrophen des Alltags lassen sich gut selbst zuhause behandeln. Alles andere gehört in die Hände eines Arztes oder eines ausgebildeten Homöopathen.

Sie geben Seminare, in denen Eltern lernen Homöopathie zu Hause anzuwenden. Können die Eltern danach auch schwierige Fälle alleine lösen? Nein, in den Workshops geht es genau um diese Grenzen. Was geht und wann muss ich zum Arzt?

Außerdem nehme ich die Eltern mit auf eine Reise zum Kern der Homöopathie. Ich erzähle etwas über den Begründer Samuel Hahnemann, dessen Lebensgeschichte wahnsinnig faszinierend ist. Auch das Leben und Wirken seiner großen Nachfolger bis heute oder die Arbeit mit der Homöopathie in anderen Ländern, z.B. in Indien, ist unabdingbar, um ein tiefes Verständnis für die Homöophatie zu entwickeln. Zusätzlich stelle ich thematisch verschiedene Arzneimittel vor, versuche dessen Wesen zu vermitteln, um den Eltern beim nächsten Mal die Differenzialdiagnose zu erleichtern. Viele Eltern kommen mehrmals und können sich so eine gut sortierte Hausapotheke mit Arzneimitteln anlegen, die ich sehr ausführlich mit ihnen besprochen habe.

Wenn man sich nun für eine Behandlung beim Heilpraktiker entscheidet: Was geschieht bei so einem Termin?

Das hängt zum einem vom Grund des Besuches und zum anderen vom Alter des Kindes ab. Grundsätzlich beginnt eine Behandlung mit der sogenannten Erstanamnese. Diese kann je nach Fall zwischen einer und drei Stunden dauern. Größere Kinder tragen das gut mit, bei kleineren Kindern besprechen wir einen Teil entweder ohne Kind oder am Telefon. Außerdem kann ich schon im Vorfeld eventuelle ärztliche Befunde und das Vorsorgeheft vom Kinderarzt begutachten.

Homöopathie
Die körperliche Untersuchung, ähnlich wie beim Kinderarzt, liefert wichtige Parameter für die Arzneimittelfindung.

In dem Gespräch verschaffe ich mir ein Bild von meinem kleinen Patienten, von der Schwangerschaft bis zum heutigen Tag und erst dann geht es um das primäre Leid, den Grund des Besuches. Dem schließt sich eine körperlich Untersuchung an, ähnlich der beim Kinderarzt. Nachfolgend besprechen wir den Behandlungsplan, das kann auch eine Ernährungsumstellung oder eine Bewegungstherapie sein. Es muss nicht zwingend ein homöopathisches Arzneimittel sein.

 

Wie begegnen Sie im Alltag den Kindern in der Behandlung?

Es gestaltet sich im Alltag gelegentlich als eine Mammutaufgabe, Menschen respektvoll, aufmerksam und vorurteilsfrei zu begegnen. Gerade Kinder werden häufig nicht als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen. Sie sollen je nach Belieben des Umfeldes bestimmte Verhaltensweisen zeigen und der Situation angepasst funktionieren. Das geschieht aus guter Absicht heraus, denn wir wissen selber, dass es sich so deutlich leichter lebt. 

In meiner Praxis begegne ich allen Kindern, egal welchen Alters, völlig wertfrei und gebe ihnen genau die Zeit und die Aufmerksamkeit, die sie brauchen. Dazu ist es wichtig, immer im Kontakt zu bleiben, auch wenn ich mit den Eltern spreche. Den Praxisraum passe ich dabei ganz den Bedürfnissen der Kinder an. Viele mögen es einfach gerne auf Matten zu liegen, auch die Eltern finden das sehr gemütlich.

Das Beobachten der Kinder, wie sie auf mich reagieren, die Interaktion mit dem Elternteil und ihre Bewegungen sind auch ein wichtiger Bestandteil der homöopathischen Anamnese. Und um so freier und angenommener sich ein Kind dabei fühlt, um so mehr gibt es von seiner Persönlichkeit preis. 

Die körperliche Untersuchung findet nur nach Erlaubnis des Kindes statt, auch ein Baby kann mir diese Erlaubnis aufgrund seiner Körpersprache schon geben. Obwohl es in meiner Praxis kaum Spielzeug gibt, langweilen sich die Kinder nicht. Auch wenn so eine Erstanamnese mal eine Stunde und länger dauern kann. Es gibt auch erstaunlich wenig Tränen oder unruhige Babys, was viele Eltern oft erstaunt. Ich bin fest überzeugt, dass Kinder ganz feine Antennen für die Aufrichtigkeit ihres Gegenüber haben und diese Form der Kommunikation sehr zu schätzen wissen.

Die Ernährung scheint ebenfalls ein wichtiges Thema in ihrer Praxis zu sein?

Homöopathie
Hausbesuche bieten eine gute Gelegenheit, die Patienten in ihrem gewohnten Umfeld zu erleben.

Ja, auch sie gehört zur Homöopathie. Bereits Samuel Hahnemann war ein großer Anhänger der Diätetik, wie es damals hieß. Man sagt sogar, dass er sich weigerte Patienten zu behandeln, die keine gesunde Lebensweise pflegten. So weit geht es natürlich bei mir nicht und es ist heute auch wesentlich schwieriger, sich wirklich gesund zu ernähren.

Eltern haben oft nicht die Zeit und die Kraft, sich immer wieder neu und ausgiebig mit dem Thema zu beschäftigen. Aber es ist schon phänomenal, was ich in meiner Praxis bereits mit kleinen Ernährungsumstellungen erreichen konnte.

Gerade bei chronischen Krankheiten kann es durch eine Ernährungsumstellung gemeinsam mit dem richtigen homöopathischen Arzneimittel relativ schnell zu einer deutlichen Besserung kommen. Zuviel Zucker, der ja auch oft in vermeintlich gesunden Lebensmitteln versteckt ist, und zu wenig wirklich nährstoffreiche Nahrung stellen häufig ein Problem dar. Und wenn dann noch Bewegungsmangel dazukommt, sind Beschwerden vorprogrammiert.

Nicht selten beginnen auch die Eltern durch die Nahrungsumstellung der Kinder ihre Ernährung neu auszurichten. Dann kann es schon passieren, dass plötzlich die auch Migräneattacken der Mutter seltener auftreten, oder der Schlaf des Vaters plötzlich als erholsamer empfunden wird. Das ist dann meine ganz persönliche ganzheitliche Medizin.

 

 

Wir bedanken uns für das Gespräch.

Das Interview führte Elisabeth Voigt.

 

 

Bilder: © fotofusion-berlin.de; Georgios Kollidas/stock.adobe.com

 


ZUR PERSON
Sandra Seelig
Heilpraktikerin
Homöopathie für Kinder und Jugendliche
Stubenrauchstr. 60
12161 Berlin

Kurstermine und Kontakt über homöopathiekinder-berlin.de

 



MEINE LITERATUREMPFEHLUNG

Arzneimittelfindung

  • Quickfinder Homöopathie für Kinder, Dr.med. Markus Wiesenauer; GU
  • Enders Homöopathische Hausapotheke, Dr.med. Norbert Enders; TRIAS
  • Bewährte Anwendung der homöopathischen Arznei Band 1: Diagnosen und Beschwerden, Dr. Norbert Enders; Haug

Arzneimittelwesen kennenlernen und verstehen

  • Homöopathische Kindermittel in Wort und Bild Jeanette Hölscher-Schenke und Eva Strobel, Narayana Verlag
  • Die Potenziale unserer Kinder; Hans-Jürgen Achtzehn, Verlag medizinisches Forum

wundervolle Lebensgeschichte von Samuel Hahnemann

  • Samuel Hahnemann, Idee und Wirklichkeit der Homöopathie, Herbert Fritsche

ohne Homöopathie, aber sehr lesenswert!

  • Heilen mit der Kraft der Natur, Prof.Dr. Andras Michalsen; INSEL

 


DIE GESCHICHTE DER HOMÖOPATHIE
„Similia similibus curentur“ - ÄHNLICHES WERDE MIT ÄHNLICHEM GEHEILT

Der Begründer der Homöopathie, Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843), geboren in Meißen, war einer der erfolgreichsten Ärzte seiner Zeit. Während seiner Tätigkeit als Chemiker und Übersetzer englischer, französischer und italienischer pharmazeutischer Werke, machte er 1790 die Entdeckung, dass eines der bewährtesten Heilmittel, die Chinarinde, im gesunden Körper Vergiftungserscheinungen hervorrief, die eine auffallende Ähnlichkeit mit der Krankheit hatte, gegen die es als Heilmittel verordnet wurde. In zahlreichen weiteren Versuchen untersuchte er viele weitere Substanzen und führte als einer der Ersten in der Medizin kontrollierte Experimente an gesunden Versuchspersonen durch, die sogenannte Arzneimittelprüfung. Aus dem immer wiederkehrenden Ergebnissen leitete er folgende Grundsätze der Homöopathie ab:

Grundsatz der Ähnlichkeit

Jede konzentrierte, wirksame Substanz erzeugt im gesunden Menschen eine in ihrer Art eigene Krankheit. Je wirksamer, destso heftiger. Ein Wirkstoff, der nur bei einem Gesunden solche krankhaften Erscheinungen erzeugt, heilt jenen kranken Menschen, dessen Störungen den krankhaften Erscheinungen des Wirkstoffes ähnlich sind.

Grundsatz der Arzneimittelprüfung

Hahnemann und seine Nachfolger prüften hunderte natürliche Wirkstoffe an gesunden Menschen und nicht, wie sonst üblich, an Tieren. Aus den Ergebnissen dieser Prüfungen, die auch noch heute durchgeführt werden, formt sich das sogenannte Arzneimittelbild, das dem Erscheinungsbild des kranken Menschen ähnlich ist.

Grundsatz der Potenzierung

Um Giftigkeit, Nebenwirkungen und Verschlimmerungen zu vermeiden, wird der Wirkstoff so lange verrieben und verschüttelt, bis sein krankmachender Reiz in einen heilenden Reiz umschlägt. Die „Information“ des Ausgangstoffes geht so in die Lösung über. Neben seiner umfangreichen ärztlichen Tätigkeit, widmete Hahnemann eine großen Teil seines Lebens der Prüfung von Arzneien und hinterließ so ein kostbares Vermächtnis von an die hundert Arzneistoffen. Große Homöopathen folgten und entwickelten sein Werk stetig weiter, seine Weggefährten Freiherr von Boenninghausen und Constantin Hering, der als Weltreisender viele bedeutende Mittel fremder Länder prüfte und die Homöopathie nach Amerika brachte, Arthur Lutze mit über einer Million behandelten Patienten bis zu seinem Lebensende, W.H. Schüßler, der Begründer der Biochemischen Heilweise mit den sogenannten Schüßler-Salzen oder einer der bedeutesten Homöpathen unserer Zeit, Georgos Vithoulkas (geb. 1932). Dieser gründete unter anderem eine Klinik für Homöopathie in Athen und eine internationale Stiftung für klassische Homöopathie in Amerika. Neben zahlreichen Lehraufträgen in verschiedenen Ländern Europas, ist er Autor herausragender Werke der Homöopathie und erhielt 1996 den alternativen Nobelpreis, eine Auszeichnung „für die Gestaltung einer besseren Welt“. Der Kern und das Wesen der Homöopathie ist millionenfach an Krankenbetten erprobt und bestätigt worden, trotzdem ist die Wirkung mit den heutigen wissenschaftlichen Standards der klinischen Studien in seiner Gänze nicht nachweisbar. Constantin Hering formulierte es so: „Die Homöopathie ist eine Heilkunst, die auf praktischen Versuch begründet ist und wer ein ernstliches Urteil über die Ähnlichkeitsregel gewinnen will, dem bleibt kein anderer Weg, als vorurteilsfrei Versuche am Krankenbette anzustellen.“

Quellen: Herbert Fritsche „ Idee und Wirklichkeit der Homöopathie“, Constantin Hering und RichardHaehl „Homöopathischer Hausarzt“, Wikipedia