Die Welt der Teehäuser

Teehäuser auf der ganzen Welt
Das japanische Empfinden der Natur, ist untrennbar mit der Teezeremonie verbunden. Beim Durchschreiten des Teegartens erweisen die Besucher der Natur ihre Ehrerbietung und lassen die alltägliche Welt hinter sich.

Die ersten traditionellen Teehäuser entstanden in Japan und China und wurden für Teezeremonien genutzt. Im 18. Jahrhundert kam das Teehaus auch beim europäischen Adel in Mode.

Das traditionelle japanische Teehaus ist ein schlichtes Gebäude, umgeben von einem Garten mit Wasserbecken. In diesem reinigen die Teilnehmer der Zeremonie ihre Hände, bevor sie ins Innere des Teehauses gebeten werden. 

Die Funktion des Hauses ist klar festgelegt. Sie beschränkt sich auf die konzentrierte Ausübung der Teezeremonie, die sich über die Jahrhunderte zu einer eigenen Kunstform entwickelte, die beispielhaft für japanische Ästhetik und Empfindsamkeit steht. Die einzelnen Bewegungsabläufe des Zubereitens, Servierens und gemeinsamen Trinkens sind genau bestimmt.

Das japanische Teehaus

japanisches Teehaus mit Steinfarten
Schritt für Schritt gehen die Gäste auf dem Steinweg voran und nähern sich damit einer ganz eigenen Welt. Die Architektur der Teehäuser war ab Mitte des 16. Jahrhunderts geprägt vom Ideal der Bescheidenheit.

Erste Teehäuser gab es in Japan vermutlich bereits im frühen 9. Jahrhundert, als der Tee von China aus Japan erreichte. Damals waren es vor allem Adlige und Mönche, die das belebende Getränk zu schätzen wussten. Es galt zunächst als Medizin und war noch kein Alltagsgetränk für die normale Bevölkerung. Im 11. Jahrhundert begannen japanische Zen-Mönche nach chinesischem Vorbild mit dem Anbau von Tee. 

Auch die Samurai, Mitglieder des Kriegerstandes, tranken den anregenden Tee. Unter ihnen war der „Teeproben-Wettbewerb“ ein beliebter Zeitvertreib. Dabei versuchten die Krieger zu erraten, welche Teesorte ihnen gerade serviert wurde. In den Klubhäusern, in denen sie sich zu diesem Zweck trafen, wurden noch viele weitere Aktivitäten angeboten, u.a. Kalligrafie und Dichtkunst. Aus ihnen entwickelten sich die ersten Teehäuser in nennenswerter Anzahl.

In japanischen Wohnhäusern kamen vornehme Tee-Salons in Mode. Doch im späten 15. Jahrhundert setzte sich eine neue Art der Teezeremonie durch, die nicht mehr in prächtigen Gebäuden, sondern in einfachen Hütten mit Strohdächern stattfand. Nach dem Vorbild von Berghütten wurden auch in Städten Gebäude errichtet, die der Teezeremonie eine ländliche Note verliehen und vielerorts das Stadtbild veränderten. 

Einfach Tee trinken

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts perfektionierte der Japaner Sen no Rikyu diese Architektur, indem er in seiner Philosophie die Aspekte des täglichen Lebens mit hohen spirituellen Ansprüchen verband. „Obwohl viele Menschen Tee trinken – wenn Du den Weg des Tees nicht kennst, wird der Tee Dich austrinken“, schrieb er.

Rikyu war ein Mann mit einfachem Geschmack und einem kultivierten, disziplinierten Lebensstil. Er verwendete den Begriff „wabi cha“ (Tee des stillen Geschmacks), der bis heute für Einfachheit, Bäuerlichkeit und die bescheidenen Eigenschaften der Teezeremonie steht. Um dem Tee den Weg vom privilegierten Getränk zum Alltagsgetränk zu ebnen, formulierte er Selbstverständlichkeiten als Gesetzmäßigkeiten: „Der Weg des Tees ist nichts als dies: Zuerst kochst Du Wasser, dann machst Du den Tee und trinkst ihn.“

Rikyus Sinn für Schönheit prägte die japanische Architektur, das Design und Kunsthandwerk in Japan. Die kleinen Häuser oder Räume, die jedem bei der Erwähnung des Begriffs Teehaus in den Sinn kommen, sind Nachfolger der Strohhütten, deren Aufbau und Einrichtung Rikyu sein Lebenswerk widmete. 

Aus dem Gedanken der Einheit von Funktionalität und Schönheit entwickelte sich auch die Idee des „Teeraums“ – des „chashitsu“ – für Stadtwohnungen. Denn heutzutage leben viele Japaner in Mietwohnungen, in denen sie trotz fehlendem Garten nicht auf die Durchführung der Teezeremonie verzichten wollen. Einen Teeraum in eine Stadtwohnung einzubauen ist kein leichtes Unterfangen. Oft scheitert es am fehlenden Wasseranschluss an passender Stelle, denn die Aufteilung des traditionellen Teeraums ist genau festgelegt.

 

Teehaus im Japanischen Garten in Tokyo
Das einfache Teehaus im Japanischen Garten in Tokyo wirkt zerbrechlich vor der Skyline der Stadt. 

Spezielle Atmosphäre, ausgewählte Utensilien

In „A Picture History of Japanese Tearooms“ von 1998 schreibt Masao Nakamura, der führende Experte für „chashitsus“ in Japan: „Um ein Teehaus zu gestalten, reicht es nicht aus, einen Raum mit den Utensilien auszurüsten, die man für eine Teezeremonie benötigt. Neben den funktionellen Voraussetzungen für die Zeremonie muss in dem Raum auch eine Atmosphäre herrschen, die dem Ritus angemessen ist.“

So gelten 8,2 Quadratmeter als Standartmaß für einen Teeraum. Diese Fläche ergibt sich aus der Anweisung, dass ein „chashitsu“ genau 4,5 jo groß sein muss. Dieses alte Flächenmaß entspricht genau einer Tatami-Reisstrohmatte, so dass viereinhalb dieser Matten in den Teeraum passen. 

Zur Ausstattung des Raums gehören auch ein Herd und eine Bildernische, die mit Hängerollen und Blumen geschmückt ist. Nachdem die Gäste den Raum betreten haben, begeben sie sich zunächst zu dieser Nische und bewundern die Dekoration. 

In einem speziellen Vorbereitungsraum reinigt der Gastgeber die Tee-Utensilien und bereitet die Zeremonie vor. 

traditioneller Teeraum
Die Maße und Ausstattung sind für einen traditionellen Teeraum exakt vorgeschrieben.

Eintritt in die Welt des Tees

Teehäuser sollen das japanische Empfinden der Natur widerzuspiegeln, das untrennbar mit der Teezeremonie verbunden ist. Das Teehaus liegt in einem Garten, den die Gäste auf einem schmalen Pfad aus Trittsteinen durchschreiten. Dabei bewundern sie die Bäume und Pflanzen und erweisen damit der Natur ihre Ehrerbietung, bevor sie sich in einem Steinbecken die Hände waschen. So bereiten sie sich innerlich und äußerlich auf den Besuch des Teehauses vor.

Die Durchquerung des Gartens ist als Symbol des Übergangs zu verstehen, in dem man sich einer ganz anderen Welt nähert. Der Zeremonienmeister betritt das Teehaus durch einen anderen Eingang als die Besucher. Sein Eingang hat eine normale Größe und kann aufrecht durchschritten werden.

Dagegen ist der Besuchereingang so niedrig und schmal, dass sich die Gäste ducken und fast hindurchkriechen müssen. Es heißt, dass der niedrige Eingang sogar einen General zwingen würde, sein Schwert vor dem Betreten des Teehauses zurückzulassen. Denn in der Welt des Tees lässt man die Realität hinter sich. Alle Gäste müssen sich „klein machen“ und werden damit einander ebenbürtig – ungeachtet ihres gesellschaftlichen Ranges.

Moderne japanische Teehäuser weichen gern von dieser strengen traditionellen Form ab. Architekten gehen neue, moderne Wege. So kann man heute in Japan z.B. Teehäuser bewundern, die als Baumhaus in der Krone eines blühenden Kirschbaums stehen oder andere, die als filigrane Glasgebilde wie eine Insel auf einem See schwimmen. 

chinesisches Teehaus
Über viele Jahrhunderte entwickelte sich die Teekultur Chinas in bunter Vielfalt und pfl egte lokale Besonderheiten. Davon erzählen auch die schönen, alten Fassaden der chinesischen Teehäuser.

Das chinesische Teehaus

elegantes Teegeschirr
Im Teeanbaugebiet Hangzhou, dem Zentrum der chinesischen Teekultur, wird der berühmte Drachenbrunnentee angebaut.

Die chinesische Teekultur zeichnet sich durch ihre regionale Vielfalt aus. China erlebte die Blütezeit seiner Teehäuser in der Song-Dynastie (960-1276). Der Ablauf der Teezeremonie war wesentlich weniger reglementiert als in Japan. Vielmehr waren chinesische Teehäuser soziale und kommunikative Treffpunkte. Man vertrieb sich beim Tee plaudernd die Zeit und ließ sich von Geschichtenerzählern, Puppenspieler und Musikern unterhalten. 

Es gab Teehäuser für unterschiedliche Berufsgruppen und verschiedene Zwecke – etwa solche, die sich auf die Anbahnung von Eheschließungen spezialisiert hatten. Auch sollen Teehäuser als inoffizielles Gericht genutzt worden sein, wo geschickte Teemeister nicht nur mit gleichmäßigen, kunstvollen Bewegungen Tees für ihre Gäste zubereiteten, sondern nebenbei auch manchen Streit schlichteten. 

Über viele Jahrhunderte entwickelte sich die Teekultur Chinas in einer bunten Vielfalt und pflegte unzählige lokale Besonderheiten. Berühmt für ihre schönen, alten Fassaden sind noch heute die Teehäuser in Chengdu, der Hauptstadt des Teeanbaugebietes Sichuan.

Die Region Zhejiang, mit der Hauptstadt Hangzhou entwickelte sich schon früh zum Zentrum chinesischer Teekultur. Eine wichtige Sehenswürdigkeit der Stadt ist das „Nationale chinesische Teemuseum“. Im Teeanbaugebiet Hangzhou wird der berühmteste Grüntee Chinas angebaut: der Drachenbrunnentee. 


China-Begeisterung in Europa

Im Europa des 18. Jahrhunderts kamen allein stehende Teehäuser als Element der Gartengestaltung in Mode. Sie waren Teil der China-Begeisterung dieser Zeit, die in der Kunstgeschichte als „Chinoiserie“ bezeichnet wird. 

Mit Erstaunen erfuhr man in Europa durch Kaufleute, Gesandte, Missionare und Reisende wie Marco Polo, dass es im fernsten Osten ein Land gab, dessen fremdartige Kultur der europäischen ebenbürtig, ja in mancher Hinsicht überlegen zu sein schien. 

Das idealisierte Bild des chinesischen Reiches verbreiteten vor allem die Jesuiten, die sich damit die Förderungswürdigkeit ihrer Mission sicherten. Gottfried Wilhelm Leibniz übernahm dieses Bild und beschrieb China als ein Reich, „das gleichsam wie ein Europa des Ostens das entgegengesetzte Ende der Erde ziert“. Der französische Aufklärer Voltaire beschwor China als Modell eines auf Vernunft gegründeten Staatswesens.

Anderthalb Jahrhunderte lang beeinflusste die China-Begeisterung das europäische Geistesleben in Philosophie, Kunst und Literatur. Sie speiste sich einerseits aus dem Interesse am Exotischen und andererseits aus der idealisierten Vorstellung eines friedlichen Riesenreiches, dessen Bevölkerung bis in die einfachen Gesellschaftsschichten hinein philosophisch und literarisch gebildet sein sollte. 

Teehäuser in Europa

„Chinesische Teehaus“ im Park Sanssouci in Potsdam
Friedrich der Große ließ das prächtige „Chinesische Teehaus“ im Park Sanssouci in Potsdam errichten. Das Dach wird von vergoldeten Palmsäulen gestützt. 

Das berühmteste Beispiel eines Teehauses im Stil der Chinoiserie in Deutschland ist das prächtige „Chinesische Teehaus“ im Park Sanssouci in Potsdam. 

Friedrich der Große ließ den Gartenpavillon südwestlich seines Sommerschlosses von Johann Gottfried Büring errichten. Die Architektur ist gekennzeichnet von ornamentalen Elementen des Rokoko und ostasiatischen Bauformen. Fast bodentiefe, rundbogige Fenster und Türen lassen viel Licht in das Innere des Pavillons. Das geschwungene Kupferdach wird von opulenten, vergoldeten Palmsäulen gestützt.

Zahlreiche Adlige und reiche Bürger ließen in den folgenden Jahrhunderten Teehäuser in ihren privaten Gärten und Parkanlagen errichten. Ein besonders hübsches Exemplar findet sich z.B. in der hessischen „Villa Haas“.

Heute empfangen historische und moderne Teehäuser in öffentlichen Parks angemeldete Besucher zum Teegenuss. So bringt z.B. das japanische Teehaus des Englischen Gartens in München seinen Gästen die japanische Teezeremonie näher, und in Berlin-Marzahn können Interessenten im Koreanischen „Seouler Garten“ oder im Chinesischen Teehaus Kulturabende und Teezeremonien erleben. 

Simone Hoffmann

Villa Haas in Hessen.
Eines der schönsten privaten Teehäuser steht in der Villa Haas in Hessen.



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