Connected Kitchen – die smart vernetzte Küche

Siemens iQ700 Geschirrspüler Home Connect mit Tab-Counter, Easy Start und SmartStart Plus
Egal, ob der Spülvorgang direkt am Einbaugerät gestartet wird oder per App der Tab-Counter zählt mit. Die App hilft u.a. auch bei der Wahl des richtigen Spülprogramms. Foto: Siemens

Im Zeitalter von „Voice Revolution“ ist die persönliche Stimme Trumpf. Deshalb lassen sich in einer Lifestyle-Wohnküche immer mehr vernetzbare Hausgeräte komfortabel auch per Sprachsteuerung managen. Und in ein paar Jahren vielleicht auch schon mittels Gedanken. 

Der Traum von der vollautomatisierten Küche ist Jahrzehnte alt, wie der TV-Klassiker „Die Ente klingelt um halb acht“ von 1968 zeigt. Damals freute sich der Computer-Ingenieur Dr. Alexander, gespielt von Filmstar Heinz Rühmann, auf sein Abendessen – einen Entenbraten, den er in den von ihm selbst entwickelten Automatik-Herd schob. Alles Weitere übernahm das technische Wunderding in Eigenregie und klingelte, sobald das Essen fertig war. 

Exakt 50 Jahre ist dieses uns heute belustigende Zukunftsszenario her. Wohl kaum jemand hätte sich damals vorstellen können, was heute alles möglich ist und wie grundlegend sich die Küche inzwischen gewandelt hat: von einer separaten Arbeitskammer zu offenen Erlebnis- und Lifestyle-Wohnlandschaften, in denen man viele Arbeitsabläufe von hochkomfortablen, intelligenten und sensorgesteuerten Induktionskochfeldern, Backöfen, Dampfgarern, Dunstabzugshauben, Kühlgefrierkombinationen und Geschirrspülern auf Wunsch auch vollautomatisch durchführen lassen kann. Denn immer kürzere technische Innovationszyklen, die sich rasant beschleunigende Digitalisierung aller Lebensbereiche, ein immer schnelleres Lebenstempo und der damit einhergehende neue Lebensstil, in dem die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer stärker verwischen – sie alle führen zu einem ganz neuen Zeit- und Haushaltsmanagement: digital, in Echtzeit, mobil von unterwegs aus und wenn man sich zu Hause aufhält, bequem per Voice Control (Sprachsteuerung). Ein Blick in die Küche von heute zeigt, was alles bereits möglich ist und was auf uns zukommt.

Samsung Family Hub 2.0 Side-by-Side 
Der mit WLAN ausgestattete Full-HD-Touchscreen macht diese Side-by-Side-Kühlgefrierkombination mit Voice Control zu einem reizvollen Allrounder (TV, Medienplayer und Multimedia-Screen). Foto: Samsung

Lebensmittel smart bevorraten & überwachen

Liebherr BluPerformance Kältegerät mit FridgeCam powered by Smarter
Ein Blick auf die App genügt, um den Inhalt des smarten Kühlschranks (mit modular integrierten Kameras) von unterwegs aus zu checken und so Doppeleinkäufe zu vermeiden. Foto: Liebherr/Kesseböhmer

Einer der großen Trends ist es, sich frisch und gesund zu ernähren. In den neuen Lifestyle-Wohnküchen befindet sich ein Kühlschrank, in dem die frisch eingekauften Lebensmittel in speziellen Frische-Schubfächern nahe 0 °C und mit manueller Feuchteregulierung im Vergleich zu Geräten ohne diese innovative Technologie doppelt bis fünfmal länger frisch bleiben. Ein WLAN-fähiges Kältegerät ist zudem mit integrierten Kameras ausgestattet, die bei jedem Schließen der Kühlschranktür ein Foto von dessen Inhalt machen und es auf ein mobiles Endgerät (Smartphone, Tablet) weiterleiten. Die digitalen „Augen“ im Kühlschrank ziehen demnächst auch in den Küchenschrank ein, z.B. in einen Hochschrank mit komfortablem Apothekerauszug, in dem die trockenen Lebensmittel bevorratet werden. Die App zeigt dann jederzeit und von überall aus an, was einen daheim sowohl im Kühl- als auch im Vorratsschrank erwartet. Und Doppeleinkäufe gehören so der Vergangenheit an, denn nur die fehlenden Lebensmittel werden auf die digitale Einkaufsliste gesetzt.

Eins obendrauf in punkto Spaß und Infotainment setzen Side-by-Side-Geräte – mehrtürige Kühlgefrierkombinationen im KingSize-Format nach amerikanischem Vorbild. Neben sämtlichen Kühl- und Gefrier-Finessen, wie man sie von einem zeitgemäßen Frischezentrum erwartet (hohe Energieeffizienz, NoFrost-Technik, verlängerte Lebensmittelfrische sowie ein Eiswürfel- und Trinkwasserspender) bieten sie auch etliche neue Features, die den Kältetresor darüber hinaus zu einer multimedialen Kommandozentrale machen. Denn mit seinem integrierten Full-HD-Touchscreen ist er gleichzeitig auch ein TV, Medienplayer und vernetzter Multimedia-Screen. So ein smarter Allrounder hält die Familienmitglieder stets auf dem aktuellen Stand, denn sie können dann per App, über den Full-Touch-Screen und auch per Sprachsteuerung miteinander interagieren.

Modelle der neuesten Generation lassen sich mit weiteren smarten Produkten koppeln, z.B. mit einer intelligenten Klingel und Außenkameras. Auf dem XL-Touchscreen der Kühlgefrierkombination kann dann nachgesehen werden, wer an der Haustür klingelt. Ein integrierter Sprachassistent mit Künstlicher Intelligenz (KI) macht so ein Kältemodell außerdem lernfähig. Das geht derzeit in Englisch, ab 2019 dann auch in Deutsch. Wer nicht so lange warten möchte, wählt ein Gerät mit Voice Control ohne KI. Die Familienkommunikation macht damit ebenso viel Spaß – auch den Kleinen, denn das Kommunikationsdesign ermöglicht auch Kindern einen unkomplizierten Zugang zu den smarten Funktionen des Kältecenters. Keine Angst, Internet-Zugang und Einkaufsfunktionen lassen sich über eine Kindersicherung einschränken. Ein weiterer vernetzbarer Eyecatcher in jeder (Wohn)Küche: ein vernetzbares Side-by-Side-Modell mit einer durchsichtigen Glasscheibe. Sobald man auf sie klopft, geht die automatische LED-Beleuchtung an und ermöglicht einen Blick ins Innere, ohne dass man dazu die Kühlschranktür öffnen muss. 

Backöfen mit Voice-Control

Kochfeld mit flexibler Induktion
Ein Kochfeld mit flexibler Induktion und integriertem Bratsensor. Die Sensor-Kopffreihaube überwacht die Luftqualität und passt die Leistungsstufe automatisch an die Koch- und Bratprozesse an.

Die Funktionen eines WiFi-Backofens lassen sich manuell über ein hochauflösendes Touch-Display oder per Smartphone/App aktivieren. Bei einigen Modellen auch schon mithilfe eines Cloud-basierten Sprachdienstes, wie beispielsweise Alexa von Amazon. Die digitale Sprachassistentin zieht übrigens in immer mehr Haushaltsgeräte ein. Dann heißt es z.B. nur noch: „Alexa, starte den Backofen“, „Alexa, wie lange gart Brokkoli?“, „Alexa, schalte den Dampfgarer aus.“ Der Voice Service lernt dabei ständig dazu; währenddessen arbeiten die Amazon-Entwickler und Drittanbieter bereits an weiteren Skills (Anwendungen), sodass sich Alexa bald auch bei Mikrowellengeräten nützlich machen wird. Anstatt alle Einstellungen von Hand vorzunehmen, verkürzt sich das Ganze dann z.B. auf: „Alexa, 2 kg Braten auftauen“, „…, Hühnchen aufwärmen“, „…, Mikrowelle vorheizen“ etc. 

Dampfgarer
Der Multidampfgarer bekommt im nächsten Jahr eine integrierte Kamera.

Der mitdenkende Geschirrspüler

Smart geht es auch beim Spülen zu. Niemand muss sich beispielsweise mehr Gedanken darüber machen, ob der Vorrat an Geschirrspüler-Tabs noch reicht. Ein vernetztes Markenprodukt mit Tab-Counter zählt mit und bestellt – sobald sie zur Neige gehen – gleich das richtige Produkt online nach. Ist man sich bei der Wahl des richtigen Spülprogramms unsicher, gibt die App eine Empfehlung. Oder man lässt sich darüber informieren, wenn das Spülgut wieder blitzsauber ist. Bei einem Geschirrspüler, der Alexa-kompatibel ist,  genügt die Frage vom Sofa aus, wie lange es noch dauert, und der Sprachassistent liefert umgehend die Antwort. Per App lässt sich z.B. auch programmieren, wann der Spüler starten soll. Das ist besonders interessant für Haushalte, die ein EEBus-basiertes Energiemanagement-System (z.B. SMA Solar Sunny Home Manager) oder einen Energiemanager von einem anderen Anbieter haben. Sie können ihren smarten Geschirrspüler dann so einstellen, dass er beginnt, wenn der Stromtarif am günstigsten ist oder wenn die hauseigene Solaranlage gerade Strom erzeugt.

Geschirrspüler

Eine lernfähige Küchenarmatur

Damit Produkte unsere täglichen Anforderungen und Wünsche erkennen, müssen sie intelligent und adaptiv sein. Bei der ganzheitlichen Smart-Home-Plattform digitalStrom zum Beispiel werden sie hierfür mit einem Device Bot ausgestattet, lernfähigen Algorithmen. Das kann ein Kaffeevollautomat, ein intelligenter Wasserkessel, ein Dampfgarer usw. sein, die sich auch per Voice Control steuern lassen. Oder eine elektronische und berührungslose Küchenarmatur mit optional erweiterbarer Sprachsteuerung, denn sie ermöglicht eine schnelle digitale und nachhaltige Steuerung vieler Handgriffe und Vorgänge in der Küche. Zum einen fließt Wasser nur dann, so viel wie und in der gewünschten Temperatur die gerade benötigt wird, zum anderen hat man die Hände für andere Tätigkeiten frei. Die Küchenarmatur wird über eine offene IP-Schnittstelle beispielsweise ins Smart-Home von digitalStrom integriert. Als Sprach-Interface dienen dann z.B. Google Home oder die Listener-App von digitalStrom. Der Clou: Die Küchenarmatur lässt sich erweitern – um eine Kamera und einen Device Bot. Die lernfähige Software versorgt die Armatur dann mit all dem Wissen, das sie beobachtet und sich jeden Tag aneignet. So erkennt sie schnell, ob man sich nur die Hände waschen, eine Blumenvase befüllen oder eine Pfanne abspülen möchte und liefert daraufhin die erforderliche Wassermenge bei optimaler Wassertemperatur. 

Miele Amazon Echo/Alexa, Dampfgarer DGC 6800 X und Backofen H 6800 BPX, Induktionskochfeld mit integriertem Abzug KMDA 7774 

Willkommen in den neuen Lifestyle-Wohnküchen mit Sprachsteuerung mit Alexa. Amazons digitale Sprachassistentin lernt dabei ständig dazu. Foto: Miele

Franke Chef Center (voraussichtlich in 2019)

Die vernetzte Küche von morgen ist ein intelligenter, interaktiver und vielseitiger Erlebnisort – zum Kochen, Kommunizieren, geselligen Genießen und auch als Home Office Basis. Foto: Franke Kitchen Systems

LG Home Appliances InstaView Door-in-Door GSX 961 NEAZ

Zweimal auf die Glasscheibe klopfen genügt. Dann geht die automatische LED-Beleuchtung an und gibt den Blick ins Innere der smarten Side-by-Side Kombination frei, ohne dass die Tür dazu geöffnet werden muss. Foto: LG Electronics

Assistiertes Kochen und Braten 

Selber kochen erfreut sich großer Beliebtheit. Kein Wunder, denn die neuen Kochfelder werden immer schlauer – dank Koch- und Bratsensoren und komfortablen Assistenzfunktionen. Und das geht beispielsweise so: einfach die Lebensmittelkategorie, gewünschte Menge und Zubereitungsart über das Textdisplay des Induktionskochfeldes auswählen. Der integrierte Kochassistent führt dann Schritt für Schritt durch die Zubereitung – Sensoren im Kochfeld ermitteln die Temperatur im und am Kochgeschirr und passen die Hitze entsprechend der ausgewählten Garmethode an. Oder ein ganz anderes Szenario, das der eine oder andere sicher kennt: Auf dem Weg in den Urlaub beschleicht einen plötzlich ein ungutes Gefühl. Ist unser Kochfeld noch an- oder hoffentlich ausgeschaltet? Wohl dem, der dann ein WiFi-fähiges Modell hat, das sich aus der Ferne kontrollieren und ausschalten lässt. 

Bauknecht Induktionskochfelder mit Active Cook Modus
Einfach die Lebensmittelkategorie, Menge und Zubereitungsart über ein Touch-Display auswählen, der Kochassistent führt dann Schritt für Schritt durch die Zubereitung. Foto: Bauknecht

Die neue Sprachrevolution

Assistenzfunktionen, Sprachassistenten wie Alexa, Assistant, Siri oder Bixby und Bots ziehen in immer mehr Produkte ein und ermöglichen eine weitere Automatisierung. Sie erkennen, was wir wollen und sie lernen schnell. Im Smart Home 2.0 werden wir mit all unseren Geräten über Sprache kommunizieren. Übrigens, derzeit wird „Alexa on the go“ – auch für unterwegs vorbereitet. Sollte eines unserer smarten Hausgeräte versehentlich noch an sein, während wir außer Haus weilen, genügt künftig ein Sprachbefehl, damit wir anschießend ganz entspannt unterwegs sein können.

Angela Grond

 

Bilder: © Siemens, Samsung, Liebherr, Bosch, Elektrolux, Miele, Franke Kitchen Systems, LG Electronics, Bauknecht

 



Und das kommt auf uns zu …

Kochen per App
Dank Smartphone und App lässt sich zeit- und ortsunabhängig verfolgen, wie weit das Essen ist.

In der smarten Erlebnisküche von morgen steht eine intelligente Kücheninsel mit einer interaktiven Glasarbeitsplatte. Darüber hängt eine smarte Dunstabzugshaube. Die Kombination verschiedener innovativer Technologien wie Multi-Touch, Lichtprojektion, Cloud Computing, Gestensteuerung, Lebensmittel- und Objekterkennung sowie diverse intelligente Modi ermöglichen vielfältige Anwendungen – vom Kochen, Warmhalten und Kühlen über Dampf- und Sous-Vide-Garen bis zum Party- und Arbeitsmodus (als Home Office Basis). Eingehende E-Mails und Kurznachrichten werden über die Cloud-Haube auf die Arbeitsplatte projiziert und auch dort beantwortet. Fürs Kochen gibt es automatisierte Programme. Oder man lädt sich ein Rezept über die Cloud-Haube und studiert die Kochanleitung, die sofort neben der sichtbar werdenden Induktionskochfläche erscheint. Nach dem Kochen wird der Party-Modus mittels Handgeste aktiviert: Dann geht die Arbeitsbeleuchtung in stimmungsvolles Ambientelicht über und die für die Gäste vorbereiteten Drinks werden auf der Arbeitsplatte perfekt gekühlt. 

 


Nur noch mittels Gedanken 

Digitale Sprachassistenten und Künstliche Intelligenz zählen zu den Megatrends. Doch auch sie sind nur ein weiterer Meilenstein, wie eine bahnbrechende Technologie aus dem Media Lab (Fakultät für Medien) am MIT – Massachusetts Institute of Technology in den USA zeigt. Dort gelang es einem Studenten über eine Art Gedanken lesendes Headset mit einem Computer in Echtzeit zu kommunizieren. Möglich ist dies, weil wir alles, was wir denken, innerlich still mitsprechen. Dabei finden neurologische sowie minimalste Bewegungen der Gesichts- und Nackenmuskulatur statt. AlterEgo (lateinisch: anderes Ich), so die Erfindung, greift über zahlreiche integrierte Sensoren diese neuromuskulären Signale im Bereich Nacken bis Unterkiefer ab und leitet sie an ein lernendes Computersystem mit Künstlicher Intelligenz weiter. Das transkribiert die Signale, ordnet sie bestimmten Wörtern zu und reagiert mit einer entsprechenden Antwort in Echtzeit, die der Anwender dann nur innerlich hört. Beispiel: Man denkt „Wie spät ist es?“ und AlterEgo antwortet mit der aktuellen Uhrzeit. AlterEgo zeigt den nächsten KI-Quantensprung: Intelligenzerweiterung/Intelligence Augmentation (IA) – die Stärken menschlicher Intelligenz verschmelzen mit Künstlicher Intelligenz, Virtueller und Augmented Reality (VR/AR), um unsere innere und äußere Wahrnehmung in allen Lebensbereichen, auch in der Küche, zu erweitern.