Cold Brew Coffee

Alles andere ist kalter Kaffee
Der kalt aufgegossene Kaffee ist sehr konzentriert und wird daher mit reichlich Wasser verlängert.

In den USA ist er längst bekannt, in Europa erst seit wenigen Sommern in hippen Szeneläden zu haben: Cold Brew Coffee. Was ist dran an diesem neuen Trend?

Während die Berliner, Münchner und Hamburger in diesem und letztem Sommer den Cold Brew Coffee staunend für sich entdeckten, kannten amerikanische Touristen, die ihn in den Szenecafés dieser Städte genossen, das Getränk schon lange. 

Der Trend, seinen Kaffee im Sommer auch mit kaltem Wasser aufzugießen, kommt aus den USA. Kalt aufgegossener Kaffee enthält nur etwa 15 Prozent der Öle und Säuren von heiß gebrühtem und ist deswegen weniger bitter, außerdem milder und magenfreundlicher. 


Pur oder mit Gin Tonic

Die Zubereitung ist denkbar einfach. Man kann sich spezielles Equipment anschaffen oder einfach eine Presskanne verwenden. Nur Geduld muss man mitbringen: 200 g grob gemahlener Kaffee wird mit einem Liter zimmerwarmem Wasser aufgegossen, umgerührt und bei Raumtemperatur 12 bis 16 Stunden ziehen gelassen. Dieses Kaffeekonzentrat gießt man durch einen Filter und serviert es in einem großen, mit Eiswürfeln gefüllten Glas – denn völlig pur ist der Cold Brew einfach zu stark.

Gern wird das Getränk mit Milch oder Sahne verfeinert und ist dann eine gute Grundlage für Eiskaffee. Aber auch als Basis für andere alkoholische und nichtalkoholische Mixgetränke ist Cold Brew beliebt. So gibt es den kalt gebrühten Kaffee zum Beispiel mit Mandelmilch, frischem Zitronensaft, Blutorgangensorbet oder als Cold Brew Gin Tonic. 

Der perfekte Cold Brew

Fast jeder Kaffeefan hat für die perfekte Zubereitung noch einen zusätzlichen Tipp. „Keinen Espresso nehmen, sondern eine hellere Röstung“, empfiehlt Cynthia Barcomi, Backbuchautorin und Inhaberin der beiden „Barcomi’s“ in Berlin. 

Björn Köpke vom „Chapter One“ im Berliner Szenebezirk Kreuzberg verwendet nur gefiltertes Wasser. „So behält der Cold Brew seine schöne Fruchtsäure und geschmackliche Tiefe“, sagt er. Ralf Rüller von „The Barn“ in Berlin-Prenzlauer Berg trinkt Cold Brew auf Eis gern auch mal mit Holundersirup und Minze.

Das Equipment

Im Grunde kann man den Cold Brew auch in einem Einmachglas aufgießen und danach in Omas Kaffeekanne filtern. Wer ihn in der Presskanne ziehen lässt, sollte ihn nach dem Herunterdrücken des Stempels noch einmal filtern. Sonst bleiben zu viele Schwebteilchen im Getränk. 

Doch natürlich möchte ein neuer Trend auch zelebriert werden. So wird spezielles Equipment empfohlen. Darunter die klassische „Chemex“-Filterkaraffe, deren 20 bis 30 % dickeres Filterpapier mit besonders feinporiger Struktur mehr Öle und Kleinstpartikel zurückhält. Das Resultat ist klarer, aromatischer Filterkaffee – oder eben Cold Brew. 

Der praktische „Hario Cold Brew Coffee Pot“ hat einen eingebauten Filter, der nach der langen Ziehzeit einfach herausgenommen wird. 

Auch Melitta bietet speziell entwickelte Cold Brew Filtertüten mit stylischem Filter an.

mit Eiswürfel Milch und Sahne

Kunstvoller Laborzauber

An ein Chemielabor erinnert die Zubereitung einer besonders edlen Variante des Getränks: des „Cold Brew Drip Coffee“. Der ist vor allem in Japan beliebt, wo er schlicht „Cold Drip“ heißt. Kein Wunder, handelt es sich doch bei der Zubereitung um eine wahre Kaffee-Zeremonie. In einem gläsernen Turm aus verschiedenen Gefäßen kommt Tropfen für Tropfen das kühle Wasser mit dem gemahlenen Kaffee in Berührung, bis der „Cold Drip" fertig ist. Das Spektakel dauert fünf Stunden.

Die Konstruktion der dafür benötigten Spezialgeräte ist absolut kunstvoll. Sie wird in Deutschland nur in wenigen trendigen Kaffeebars zum Show-Effekt eingesetzt: Ein gläserner Wasserbehälter mit Tröpfchen-Funktion schwebt über dem Filter für das Kaffeepulver. Eine bauchige Glaskanne dient zum Auffangen des über Stunden kalt extrahierten Kaffees. Das so gewonnene Konzentrat ist fruchtig-intensiv und enthält nur wenig Säuren und Bitterstoffe.

Ice Brew

Doch was ist nun wieder ein „Ice Brew“? Kaum ist ein neuer Trend verstanden, macht schon wieder eine Variante von sich reden. Der Ice Brew ist ähnlich erfrischend wie der Cold Brew, braucht aber weniger Zeit. 

Streng genommen ist Ice Brew eher ein klassischer Filterkaffee als ein Cold Brew. Denn er wird genauso wie heißer Filter-Kaffee zubereitet, mit dem Unterschied, dass der Kaffee direkt über Eiswürfel gegossen wird. Die Kanne, auf der der Filter steht, wird vor der heißen Zubereitung mit 300 g Eiswürfeln gefüllt. Auf diese Weise wird der Kaffee blitzschnell heruntergekühlt.  

Durch die Zubereitung mit heißem Wasser und Eiswürfeln behält der Kaffee seinen typischen Geschmack und bietet zugleich eine angenehme Erfrischung. 

Simone Hoffmann

So wirds gemacht

 

 



Kaffee-Cocktails

Cold Brew Gin Tonic
Cold Brew Gin Tonic

Cold Brew Gin Tonic
(Rezept von Coffee Circle)

1/3 Cold Brew Coffee
1/3 Gin
1/3 Tonic
Eiswürfel
1 unbehandelte Zitrone

Am Vortag einen Cold Brew Coffee zubereiten. Zitrone in Scheiben schneiden und mit den Eiswürfeln in ein großes Glas geben. Zu gleichen Teilen mit Gin und Tonic mischen und zuletzt den Cold Brew aufgießen. Mit einer Zitronenscheibe dekorieren.

 

Cold Brew Strawberry Mojito
(Rezept: Melitta)

3 cl Cold Brew
5 Eiswürfel
1,5 cl Erdbeersirup
5 frische Erdbeeren
Frische Minze
Sodawasser oder Mineralwasser

Frische Erdbeeren waschen, vom Grün befreien und in dünne Scheiben schneiden. Cold Brew, frische Minze, Erdbeerscheiben und Erdbeersirup in ein großes Glas geben und vorsichtig verrühren. Mit Eiswürfeln und Soda auffüllen. Vor dem Servieren das Glas mit Minze dekorieren.

 

Cold Brew Strawberry Mojito
Cold Brew Strawberry Mojito

 

Bilder: fotolia ©ekarin; fotolia ©Brent Hofacker; fotolia ©zia_shusha; fotolia ©LiliGraphie