Ambient Assisted Living – die Brücke ins Leben

Ambient Assisted Living
Der Home Care Robot von medisana navigiert selbständig durch die Wohnung und steht den Bewohnern in jeder Lebenslage zur Seite.

 

Ein komplettes Smart Home ist für manche ein Traumhaus, andere stehen dem kritisch gegenüber. Für Menschen, die wegen ihres Alters oder Handicaps körperlich eingeschränkt sind, stellt sich diese Frage weniger: Smarte Anwendungen in den eigenen vier Wänden können für sie ein Weg zurück in sein sicheres und selbstbestimmtes Leben sein. 

Der demographische Wandel wird in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten vieles verändern. Im Jahr 2035 wird jeder dritte Bundesbürger älter als 60 Jahre alt sein. Natürlich möchte jeder so lange wie möglich selbstständig in der eigenen Wohnung bleiben. Gleichzeitig sollte im Notfall aber immer schnell Hilfe vor Ort sein. 

Genau das richtige Maß an Sicherheit und Eigenständigkeit zu erhalten ist nicht einfach und meist mit hohen Kosten verbunden. Künstliche Intelligenz könnte neue Möglichkeiten schaffen, zusätzlich praktische Hilfe im Alltag so zu erhalten, die die menschliche Unterstützung durch Verwandte und Pflegepersonal sinnvoll ergänzt.

Unterstützung im Alltag

Als „Ambient Assisted Living“ – kurz AAL – bezeichnet man altersgerechte Assistenzsysteme, also Produkte, Dienstleistungen und Smart Living-Lösungen, die gedacht sich, um im Alltag Menschen mit Handicap zu helfen und so ihre Lebensqualität zu steigern. 

Die unterstützende Technik muss dafür nicht immer spektakulär sein. Manchmal reicht es, ein paar Handgriffe zu erleichtern, die Menschen mit Einschränkung schwerfallen. So sorgen z.B. Bewegungsmelder automatisch für Licht im Flur, damit die Hand nicht von der Gehhilfe genommen werden muss. Rollläden lassen sich per Fernbedienung auf- und abfahren. Auf Knopfdruck oder per Sprachsteuerung kann dem Pflegedienst auch vom Sessel im Wohnzimmer aus die Tür geöffnet werden. 

Gemeinsam ist den AAL Techniken und Technologien, dass sie nutzerzentriert, also auf den Menschen ausgerichtet, sind und sich an dessen individuelle Bedürfnisse anpassen lassen. Die Technik richtet sich nach den Menschen, nicht umgekehrt.

AAL

Schnelle Hilfe bei Gefahr

Von AAL spricht man also nicht nur beim Smart Living Technologien. Doch AAL macht sich die Technologien des Smart Home zunutze und erweitert deren Anwendung für den Bedarf von Menschen die Pflege benötigen. Denn wenn die Haustechnik intelligent kommuniziert, eröffnen sich dadurch besonders sinnvolle Möglichkeiten der Unterstützung. 

Durch intelligente Systeme erhöht sich etwa die Sicherheit beim Erkennen einer brenzligen Situation: Liegt eine komplett unbewegliche Person für längere Zeit im Wohnzimmer auf dem Fußboden? Läuft das Wasser zu lange? Wurde der Herd nicht abgeschaltet obwohl kein Topf darauf steht und niemand in der Küche ist? 

Sensoren erkennen solche Gefahren. Speziell auf die Bedürfnisse von hilfsbedürftigen Personen zugeschnittenen Programme können kleine Pannen des Alltags beseitigen und Hilfe rufen, wenn es nötig erscheint. Pflegepersonal, Ärzte und Familienmitglieder können über eine Handynachricht in diese Kommunikation einbezogen werden und so schneller reagieren.

Stolperfalle Bad

Für Menschen mit Handicap ist neben der Küche das Badezimmer einer der kritischsten Räume. Ein nasser Boden im Bad kann böse Stürze verursachen, das Besteigen der Dusche wird zur Unmöglichkeit und durch die Verwechslung von Temperaturreglern kann es leicht zu Verbrennungen kommen. 

Mit einer Smart-Home-Hausautomation lassen sich bestimmte Szenarien im eigenen Zuhause programmieren, unterstützen die Bewohner bei ganz normalen Abläufen und verhindern Notfälle: Die Dusche liefert so jederzeit Wasser in der Lieblingstemperatur ihres Benutzers. Smarte Fußböden unterscheiden eine normale Nutzung von einem Sturz oder schlagen Alarm bei zu hohem Wasserstand auf dem Fußboden. 

In der Nacht ist zudem eine Sensormatte hilfreich, die wie eine Fußmatte vor dem seniorengerechten Bett platziert wird. Beim nächtlichen Aufstehen und dem ersten Schritt auf die Matte, schaltet sich automatisch ein warmweißes Nachtlicht an. Gleichzeitig fährt die Toilette im Bad schon mal auf die für den Benutzer richtige Höhe.

AAL
Beleuchtete Fußleisten gewährleisten einen sicheren Weg ins Bad auch in der Nacht.

Fast wie ein Mitbewohner

Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE erforscht mit Hilfe einer Testwohnung solche intelligenten Lebensassistenzsysteme, die älteren oder pflegebedürftigen Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen sollen. 
Jedes Elektrogerät in der Testwohnung ist mit einem zentralen Computer verbunden. Überall in der Wohnung registrieren Sensoren den Bewegungsablauf des Bewohners: in der Dusche, auf dem Fußboden und bei Bedarf sogar auf den Hausschuhen. 

Die größte Herausforderung für die Forscher besteht darin, ein Computersystem zu schaffen, das alle Informationen korrekt miteinander verknüpft und daraus die richtigen Schlüsse zieht – fast als wäre ein Mitbewohner im Haus.

Dafür muss das System in einer Lernphase den normalen Tagesablauf und die besonderen Gewohnheiten seines Besitzers kennen lernen. So soll z.B. nicht jedes Mal die Feuerwehr gerufen werden, wenn jemand gern etwas mehr Zeit lesend auf der Toilette verbringt. Gleichzeitig darf aber auch kein einziger wirklicher Notfall übersehen werden.  

In der Testwohnung wird der Ernstfall mit einem Roboter geübt: Liegt eine hilflose Person am Boden, soll er diese zunächst anzusprechen und umrunden. Erhält er keine Antwort, stellt der Roboter eine Videoverbindung zur Notrufzentrale her.

Früher Vorsorgen

Ein Roboter statt eines Pflegers? Für viele ist das eine unangenehme Vorstellung. Prof. Dieter Rombach, Vorsitzender des Frauenhofer-Verbundes IuK erklärt: „Wir wissen heute bereits, dass wir in 10 bis 20 Jahren gar nicht mehr das nötige Pflegepersonal haben werden.“ Es geht also nicht darum, menschliche Pflege überflüssig zu machen, sondern darum das Pflegepersonal dort zu unterstützen, wo es sonst fehlen würde. 

Altersgerechte Assistenzsysteme können nicht nur im Notfall, sondern in allen möglichen Bereichen des Alltags helfen: bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten, der Organisation von Lebensmitteleinkäufen, der Telekommunikation mit Verwandten oder der Überwachung des Schlafes und des Gesundheitszustandes. 

Die frühzeitige Anschaffung von seniorengerechten Smart-Home-Lösungen bringt viele kleine Annehmlichkeiten mit sich. Leuchten mit Bewegungs- und Präsenzmeldern bei Nacht schützen alle Bewohner vor dem Stolpern. Höhenverstellbare Bad- und Küchenschränke sind auch für Kinder praktisch. 

medisana
Regelmäßig den Blutdruck- oder Zucker-Wert erfasst die Gesundheits-App des Home Care Robots von medisana. Das Gerät weist darauf hin, wenn die Werte im kritischen Bereich sind.

Senioren-Assistenzsystem

medisanaAuch Sensoren für Rauch, Feuer, Gas und Wasser oder Szenarien für das automatische Ausschalten von elektrischen Geräten beim Verlassen des Hauses, können bereits für jüngere Menschen sinnvoll sein. Haus- und Wohnungseigentümer sollten daher vorausschauend planen. 

Verschiedene Unternehmen bieten hoch entwickelte Einzellösungen oder Komplettsysteme für Privatwohnungen an. So ist etwa das Gigaset smart care Senioren-Assistenzsystem dafür gedacht, den Eltern und Großeltern zu ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können. Denn das System achtet im Zuhause älterer Angehöriger darauf, ob es zu Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf kommt und informiert im Alarmfall z.B. per automatisiertem Telefonanruf. 

Dafür sorgen verschiedene intelligente Sensoren, die an Fenstern, Türen und in den Räumen der Senioren-Wohnung befestigt werden, sowie ein Alarmknopf und die smart care App. 

Auch der Home-Care-Robot „medisana temi“ von medisana macht den Alltag durch künstliche Intelligenz sowie einfache Sprachsteuerung leichter und erhöht die Sicherheit durch verschiedene Gesundheitsdienste und eine Notfallvorrichtung. Via Sprachsteuerung und Touchdisplay ist seine Bedienbarkeit intuitiv und selbsterklärend. Dabei lernt der Roboter permanent dazu.

Home-Care-Robot

Mit Hilfe seiner video-orientierten Künstlichen Intelligenz navigiert der Roboter autonom durch die Wohnung und stellt in Notfällen Kontakt zu Angehörigen her. Bis zu vier autorisierte Personen können im Zweifelsfall über die Videofunktion nach dem Rechten sehen, etwa wenn Anrufe über einen längeren Zeitraum nicht angenommen werden und Grund zur Sorge besteht. 

Die integrierte App VitaDock+ ist kompatibel mit sämtlichen medisana Connect-Geräten. So erfasst und bündelt die App gemessene Werte wie Blutdruck, Blutzucker, Gewicht, Puls oder Sauerstoffsättigung, erinnert an ihre Messung und sendet sie auf Wunsch z.B. an den Hausarzt oder Angehörige. Liegen einzelne Werte im kritischen Bereich, wird dies angezeigt.

Auch in Punkto Unterhaltung kann der Roboter hilfreich sein: Er verfügt über die Fähigkeit, Musik und Filme abzuspielen. Die Benutzeroberfläche und die Videotelefonie vereinfachen den Kontakt mit Familie und Freunden gerade bei körperlichen Einschränkungen. Denn auch die Kommunikationsfunktionen sind per Sprachbefehl steuerbar.

Elisabeth Voigt

 

Bilder: medisana, www.ermündigung.biz